Duo Giovivo: Serendipity © Genuin
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"Best of 22": Album der Woche | 18.07. - 24.07.2022 - Duo Giovivo: "Serendipity"

Lebensfreude als musikalisches Programm - das steht schon im Namen des Duos Giovivo: "Gioia" - italienisch die Freude und "vivo" für lebhaft. Das erste Album von Muriel Zeiter und Fabian Bloch steckt dabei voller Überraschungen, stilistischer Vielfalt und wechselnden Stimmungen.

Muriel Zeiter und Fabian Bloch sind beruflich und privat ein Paar.

Fabian Bloch: "Es geht immer ums Duo - den ganzen Tag. Es wird immer diskutiert: 'Was wäre ein neues Stück? Wollen wir das mal probieren? Wäre es nicht cool, wenn wir die Geige dazunehmen?' Ich habe eigentlich erst gemerkt, dass Muriel noch Geige, Flöte und Saxophon spielt, als wir zusammengezogen sind, weil die Instrumente da wieder herauskamen. Dann haben wir sie wieder aktiviert!"

Von Anfang an Euphonium

Musikalische Experimente gehören beim Duo Giovivo zum Alltag. Und die Familie von Fabian Bloch spielt dabei auch noch eine Rolle:

"Mein Vater hat Euphonium gespielt und meine Großväter auch. Das Instrument lag immer rum - und das hat mich gepackt. Ich habe gar nichts anderes gespielt. Es gibt viele, die mit Trompete starten und wenn es nicht gut geht, wechseln sie auf Euphonium oder Tuba - aber bei mir war es von Anfang an das Euphonium."

Spiel mit den Hörgewohnheiten

Da schwimmt dann plötzlich ein etwas tiefergelegter Schwan aus dem "Karneval der Tiere" vorbei.

Fabian Bloch: "Ich kann das auch eine Oktave höher spielen, aber das klingt dann nicht mehr so euphonistisch - weniger warm, weniger schön, weniger romantisch."

Auch bei einem unverwüstlichen Stück, das Generationen von Klavierschüler:innen kennen, spielt das Duo Giovivo mit den Hörgewohnheiten seines Publikums.

Muriel Zeiter: "Ich mag es sehr, Musik, die ich schon lange spiele, immer wieder abzuändern. Das habe ich auch mit dem Präludium von Bach gemacht: Anstatt das Stück original zu spielen und es dann zu verändern - wie es oft gemacht wird - hatten wir die Idee, es erst verfremdet zu spielen und dann zu verraten, welches Stück es wirklich ist."

Glückliche Zufälle

Arrangements, Bearbeitungen und Originalkompositionen für Euphonium und Klavier stehen auf der ersten gemeinsamen CD von Muriel Zeiter und Fabian Bloch im Mittelpunkt. Brassbands und Jazzmusiker:innen lassen grüßen - so auch beim Titelstück "Serendipity" - glückliche Zufälle - von Daniel Hall.

Fabian Bloch: "Das ist ein Freund aus Wales, der sehr viel für uns schreibt. Ein junger, spannender Typ, der neue, spannende Klangfarben bringt und der uns und die Instrumente herausfordert."

Musikalische Wundertüte

Doch auch die Schweizer Heimat des Duos kommt sehnsuchtsvoll zur Geltung, zum Beispiel in Hans-Jürg Sommers "Spirit of Alphorn".

Fabian Bloch: "Viele, die Alphorn spielen, sind Hobbyspieler. Die kriegen die Töne und den Sound nicht hin - von Phrasierung ganz zu schweigen. Man hört es halt draußen, irgendwo auf einem Fest spielt jemand ein bisschen, aber nicht richtig - und das ist der Unterschied."

Beim "Schlittschuhwalzer" von Émile Waldteufel werden die Lachmuskeln der Zuhörer:innen aktiviert. Eine kurze witzige, musikalische Geschichte.

Muriel Zeiter: "Beim Euphonium gibt es diese Rutschbewegungen, wo man sieht, dass sie jetzt ausgerutscht ist"

Und dann ist da noch die Bearbeitung eines Konzertes für die arabische Flöte Nay und Orchester von Daniel Schnyder - in diesem Fall arrangiert für Klavier und Wunderhorn. Dahinter verbirgt sich ein besonderes Modell der Basstrompete. Das Duo Giovivo ist eben eine echte musikalische Wundertüte.

Fabin Bloch: "Daniel Schnyder kommt aus Zürich und lebt in New York. Muriel kennt ihn schon lange. Der Typ ist einfach verrückt - oder nicht, Muriel?"

Muriel Zeiter: "Ja, er schreibt seine Stücke immer wieder für andere Instrumente um. Er ist da sehr offen."

Barbara Overbeck, rbbKultur