Gábor Boldoczki: "Versailles; Montage: rbbKultur
Sony Classical
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ALBUM DER WOCHE | 28.09. – 04.10.2020 - Gábor Boldoczki: "Versailles"

Wie klingt Versailles? Wie klingt die Musik am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV.? Das hat sich der ungarische Trompeter Gábor Boldoczki gefragt und auf seiner neuen CD "Versailles" französische Barockmusik erkundet. Dabei begleitet hat ihn das Barockensemble Cappella Gabetta unter der Leitung von Andrés Gabetta.

Glanzvolle Säle, repräsentative Gärten, Parks, die alles andere in den Schatten stellten. Pracht und Prunk, das sollten die Schlösser von Louis XIV., dem Roi du Soleil, dem Sonnenkönig, ausstrahlen. Allen voran sein Residenzschloss Versailles vor den Toren von Paris. Auch sein Nachfolger Louis XV liebte die Üppigkeit. Entsprechend pracht- und prunkvoll klang damals, im 17. und 18. Jahrhundert, am französischen Königshof die Musik. Beispielsweise die "Concerts Royaux", die "Königlichen Konzerte" von François Couperin.

Klare Formen und Verzierungen

Gábor Boldoczki, der Trompeter schwärmt für Barockmusik aus Frankreich: "Das war eine fantastische Musikkultur - mit einer eigenen Musiksprache und diesen typischen französischen Verzierungen. Wirklich eine besonders schöne Musik."

Strenge Regelmäßigkeit und zugleich ständige Abwechslung, das war nicht nur ein Grundprinzip des französischen Barockgartens, es findet sich auch in der Musik. Dabei stand nicht, wie in der italienischen Barockmusik, der Solist im Vordergrund, sondern es ging um die Komposition als solche.

"Die klaren Formen sind sehr wichtig, die Verzierungen. Die Werke haben einen bestimmten Glanz und eine besondere Festlichkeit", so der Trompeter.

Die Verzierungen zu spielen sei allerdings eine Herausforderung, erzählt Boldoczki. Monatelang habe er geübt.

Werke von französischen Meistern - für die Trompete bearbeitet…

Neben Tänzen, den "Contredanses" von Jean-Philippe Rameau oder einem für die Trompete arrangierten Flötenkonzert von Jacques-Christophe Naudot befindet sich auch eine Ersteinspielung auf der CD: Das Oboenkonzert in e-moll von Bonaventure Gilles. Boldoczki selbst hat es für die Trompete bearbeitet.

… und für das Flügelhorn

Aber auch ein mit der Trompete verwandtes sogenanntes Flügelhorn kommt auf der CD zum Einsatz. Zum Beispiel im Flötenkonzert von Michel Blavet in der Fassung für Flügelhorn. Vor allem den weichen Klang schätzt Gábor Boldoczki am Flügelhorn. Er ähnele mehr dem Horn als dem der Trompete. Dennoch habe das Instrument die Vorteile der Trompete:

"Wenn man virtuos spielen möchte, kann man auch virtuos spielen. Zugleich hat es diesen weichen und dunklen Klang, und man kann auch Melancholie sehr schön ausdrücken."

Singen auf der Trompete

Gleich mehrere Flügelhörner habe er Zuhause, erzählt der Trompeter. Er wähle das Instrument je nachdem, was er mit der Musik ausdrücken möchte.

Regelrecht singend studiert Gábor Boldoczki Werke grundsätzlich zunächst ein. Erst dann legt er sich auf sein Instrument fest und fängt mit dem eigentlichen Üben an. Vielleicht kommen daher Boldoczkis geschmeidiger Ton, seine präzisen Phrasierungen - und sein Markenzeichen: das Singen mit der Trompete.

Gábor Boldoczki, Trompete; © Uwe Arens/Sony Classical
Bild: Uwe Arens/Sony Classical

Eintauchen in Höfisches Leben

Gábor Boldoczki und dem Barockensemble Cappella Gabetta unter der Leitung des Geigers und Ensemble-Gründers Andrés Gambetta ist eine rundum feierliche und unterhaltsame CD gelungen. Sie lädt in mit Gold und Marmor ausgestattete Gemächer ein und lässt das herrschaftliche Ambiente von Palast und Garten von Versailles erspüren. Mal ehrwürdig getragen, mal ausgelassen und heiter. Diese Musik mache einfach gute Laune, findet nicht nur der Solist.

Antje Bonhage, rbbKultur