Isaac Makhdoomi, Ensemble Piccante: Vivaldi © Prospero
Prospero
Bild: Prospero Download (mp3, 7 MB)

Album der Woche | 27.02. - 05.03.2023 - Isaac Makhdoomi: Vivaldi concerti per flauto e Arie

Als Blockflötist kommt man an Vivaldi einfach nicht vorbei. Dabei ist es eine Sache, den technischen Anforderungen der Flötenkonzerte zu entsprechen. Die andere Sache ist es, als Flötist ein Vivaldi-Album aufzunehmen, das heute noch jemanden überrascht. Der schweizer Flötist Isaac Makhdoomi hat es geschafft, zu überraschen.

Präzise säbeln die Flötentöne durch die Luft und schrauben die Musik auf und nieder – bei diesem Sound kein Wunder, dass sich der Flötist Isaac Makhdoomi auf dem Albumcover vor einem Hubschrauber hat ablichten lassen – in Hemd und Anzug, mit stoischem Blick in die Ferne. Oder?

Isaac Makhdoomi, Blockflötist © isaacmakhdoomi.ch
Bild: isaacmakhdoomi.ch

Mehr als nur Show

Darauf angesprochen lacht der Flötist: "Das war bewusst rebellisch, das passt zu mir - um zu zeigen, dass ich jetzt diesen Bruch verursache: die brave Blockflöte zusammen mit dem James-Bond-mäßigen Auftritt. Einfach, um Aufsehen zu erregen."

Das Album hält dann auch, was die humorvolle Inszenierung ihres Covers verspricht. Mehr noch: Wie Isaac Makhdoomi gemeinsam mit seinem Endemble Piccante hier Vivaldi spielt, ist wirklich erfrischend. Und das will etwas heißen bei Kompositionen, die für Flötisten die Kür ihres Handwerks darstellen und ein absolutes "must play" sind.

Die Identifikation mit Vivaldis Musik reicht bis in Isaacs Kindheit zurück. Wie verzaubert hat er als kleiner Junge vor dem Plattenspieler seiner Eltern gestanden und die elegante, eingängige Musik in sich aufgesogen. Vivaldi jetzt selbst aufzunehmen, ist damit die Erfüllung eines Kindheitstraumes für ihn. Seine Energie, sein musikalischer Spieltrieb bricht sich nicht nur in schnellen Passagen Bahn, sondern blitzt auch in empfindsamen Linien immer wieder durch.

Zwei Kulturen in einer Brust

Auf den luftigen Wegen der Melodien und der Intonation übt sich Isaac Makhdoomi nicht in vornehmer Zurückhaltung, sondern beschert uns einen Kickdown saftiger Virtuosität. Freude, Kühnheit, Witz sind für ihn wichtiger als schulmeisterliche Akkuratesse. Vivaldi liegt ihm deshalb sehr am Herzen:

"Diese Musik ist unverblümt, sehr direkt, sehr feurig, leidenschaftlich. Und ich glaube, da habe ich schon einen Zugang, den die Leute momentan vielleicht nicht mehr so sehr leben, aufgrund meiner Herkunft aus Kaschmir, der Heimat meines Papas. Das ist eine ganz andere Lebensweise, die die Leute da pflegen! Dieses Intuitive hat dort viel mehr Raum und ich glaube, das ist bei mir eine Mischung: abendländisches Kulturgut und die Sozialisation in einem orientalischen Umfeld."

Freude am Drama

Neben den Flötenkonzerten haben es auch zwei Arien auf das Album geschafft. Die eine hat Isaac direkt von der Stimme auf die Altblockflöte übertragen, in der anderen erklingt seine Flöte – anstelle der Geige im Original – an der Seite des Countertenors Arnaud Gluck.

Eingängig sind diese Arien – aber auch für Überraschungen gut, was den Flötisten besonders begeistert:

"Es gibt dann auch diese typischen Momente, dieses Italienische: 'Oh! Jetzt plötzlich eine harmonische Wendung!' Das hat dann so etwas Opernhaftes - wobei man sich als Bühnendiva dann auch präsentieren darf. Das gefällt mir sehr gut."

Guter Klang erfordert Engagement

Einen guten Ensembleklang mit Worten zu beschreiben, ist für Isaac Makhdoomi kaum möglich. Das Wort "magisch" trifft es für ihn noch am besten. Um diese Magie zu erreichen, wünscht er sich besonders eines von den Musiker:innen seines Ensembles: sie sollen mitgestalten. Und dann zieht er einen interessanten Vergleich:

"Die alte und die barocke Musik leben von Freiheit! Da sehe ich eine deutliche Parallele zum Jazz. Man kommt wie bei einer Jam-Session zusammen und macht einfach Musik mit dem, was man zur Verfügung hat."

Emotion und Intuition leiten Isaac Makhdoomi, wenn er Vivaldis effektvolle Kompositionen mit Leben füllt. Dadurch ist ein geschmackvoll-üppiges Album entstanden. Es funkelt, es hat Seele, es ist barock "at its best".

Konrad Bott, rbbKultur