Jan Donner: Meanwhile; Montage: rbbKultur
Housemaster Records
Bild: Housemaster Records

Album der Woche | 26.04. - 02.05.2021 - Jan und Maren Donner: "Meanwhile"

Jan Donner, Musiker an der Deutschen Oper Berlin, hat sich zusammen mit seiner Schwester Maren Donner einen Herzenswunsch erfüllt. Die beiden haben ein Album aufgenommen, das komplett ihrem eigenen Gestaltungswillen folgt und einem philosophischen roten Faden.

"Meanwhile" bedeutet übersetzt "derweil" oder "inzwischen". Der Titel des Albums passt auch zum Zeitpunkt der Aufnahmen. Derweil Corona alles lahmlegte, nahmen die Geschwister Donner mit viel Muße ihr Album auf.

Jan Donner; © Imagician Film
Bild: Imagician Film

Die Vermessung der Zeit

Der Plan dafür stand schon länger, denn auch Auftragskompositionen zum Thema Zeit sind dabei. Wie die Suite von Tobias Schütte, überschrieben mit "Time". Der erste Satz ist ein fließendes Pulsieren, der zweite ein Innehalten.

"Es fühlt sich an wie ein ganz flacher, ruhiger See irgendwo in Nordfinnland. Mit Bäumen, Platz, Zeit", so beschreibt der Posaunist sein Gefühl beim Musizieren.

Im dritten Satz holt uns in kleinen Notenwerten die Hektik wieder ein. "Timeless", also "zeitlos", versucht die Sonate des zeitgenössischen Komponisten Peter Dörpinghaus zu sein. Dörpinghaus ist selbst Trompeter und hat seinem Blechbläser-Kollegen eine neoromantische Komposition geschenkt.

Zum Weinen schön

Dass die acht Strauss-Lieder Opus 10 auf diesem Album zu hören sind, hat mit der biografischen Zeitachse zu tun. Maren Donner hat Liedbegleitung in Wien studiert. Bei ihrem Abschlusskonzert kamen ihm damals die Tränen, erinnert sich Jan Donner. Ob diese unglaubliche Musik auch mit seinem Instrument funktionieren würde? Und vielleicht ohne Worte? Jan Donner beweist das. Auch die Posaune kann singen, kann warm und weich klingen. Der Musiker, der sonst in großer Besetzung im Orchester spielt, möchte gerade diese Seite seines Instruments betonen. Aufnahmen des Standard-Repertoires für die schmetternde Posaune gäbe es genug. Warum nicht auch Schumann-Lieder probieren?

Geschwisterlich

In ihrer Kindheit musizierten Maren und Jan Donner viel zusammen, dann gab es räumlich und inhaltlich viel Abstand. Viel ist passiert, meanwhile, inzwischen. Bei den Aufnahmen zu ihrem Album spürten sie den gemeinsamen Kern, sagt der Posaunist: "Das war intensiv, das krachte manchmal tierisch. Aber am Ende war es schön."

Musikalisch ist ein wunderbares Zwiegespräch zwischen Posaune und Klavier entstanden. Auf absoluter Augenhöhe.

Ulrike Jährling, rbbKultur