Johann Sebastian Bach: Hornkonzerte © Hänssler Classic
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Album der Woche | 21.06. - 27.06.2021 - Johann Sebastian Bach: Hornkonzerte

Ist es eigentlich verwegen, Konzerte von Johann Sebastian Bach mit Waldhorn aufzuführen? Die Berliner Barock Solisten und der Ausnahme-Hornist Radek Baborák zeigen, dass es gehen kann.

Immerhin hat Bach das Horn in seinen Kompositionen nicht gänzlich beiseitegelassen. Im berühmten 1. Brandenburgischen Konzert hat es seinen Auftritt, auch als Partner der Gesangsstimme in einer fantastischen Arie der h-Moll-Messe sowie in einigen Kantaten. Außerdem war Bach Meister im Recyceln seiner eigenen Werke.

"Jeden Samstag brauchten die Solisten des Bachischen Collegium Musicum in Leipzig Futter. Für den Salon des Zimmermannschen Cafehauses machte der Meister seine Werke deshalb regelmäßig passend: Mal für Cembalo, mal für Violine, mal für Oboe."

Und so ist sich der 'Berliner Barock Solist' Raimar Orlovsky sicher: Bach hätte sicherlich nichts gegen ein Hornkonzert! Puristen sind zum Neuentdecken der Werke eingeladen. Der Notentext ist unverändert, alles original Bach. Und damit per se genial.

Der ehemalige Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker kommt zwar mit dem Waldhorn aus der eher "romantischen Ecke". In Sachen Stilistik hat er sich für das Bach-Album ganz in die Arme der Barock Solisten fallen gelassen, erzählt Raimar Orlovsky. Um dann zu typischer Baborák-Form aufzulaufen. Kantilenen, bei denen man nach zwei Minuten fragt, ob er jemals atmen würde? Dazu scheinbar mühelose technische Brillanz.

Wobei Raimar Orlovsky weiß: Für dieses Album hat der Genius Baborák, bei dem vieles wie von allein kommt, viel geübt. Leichtigkeit war sein Credo. Niemand dürfe das Gefühl haben, dass sich da jemand anstrenge, um mitzuhalten mit Geige, Flöte, Oboe oder Cembalo.

Ein bisschen Romantik geht auch bei Bach

Vor der Aufnahme des langsamen Satzes des Marcello-Oboenkonzertes, das Bach einst mit Verzierungen versehen hat, gab Radek Baborák seinen Kolleg*innen eine Geschichte mit auf den Weg:

"Stellt euch vor, wir sind alle in Venedig. Ich stehe auf der Lagune, vorne mit meinem Horn auf der Gondel. Und ihr seid sozusagen um mich herum das Wasser. Die Gondel bewegt sich unmerklich, aber wunderbar durch ein ganz ruhiges, einsames Venedig."

Die Reaktion des Tonmeisters nach der Aufnahme: Das ist es! Und was sagt der Hornist?

"Mit Bach bin ich noch lange nicht fertig.“

Ulrike Jährling, rbbKultur