Johannes Moser: Alone Together © Johannes Moser
Johannes Moser
Bild: Johannes Moser

Album der Woche | 20.06. - 26.06.2022 - Johannes Moser: "Alone Together"

Johannes Moser wandelt auf neuen Pfaden. Und ist mit sich selbst zu sechst. "Alone Together" eben. Im Mehrspurmodus. Eine Einladung in neue Akustik-Welten - auf allen Streaming- und Download-Plattformen.

Johannes Moser, Cellist © Uwe Arens
Bild: Uwe Arens

Im Prinzip ist es das Gegenteil von Kammermusik. Wenn eine Streicher-Suite im Studio entsteht, Stimme für Stimme eingespielt mit Klick-Track auf dem Kopfhörer. Ein spannendes Experiment für Johannes Moser, der immerhin seine Erfahrungen aus Live-Konzerten in den Klick-Track eingebaut hat. Vorgeplantes Atmen also. Es funktioniert. Das Ergebnis: Celloensemble mit reinstem Moser-Klang.

Neugierde und KI

Bei aller Klangschönheit: Celloensemble bleibt trotzdem immer Cello. Um das Ohr frisch zu halten, war es Johannes Moser wichtig, variierende Hörerlebnisse zu schaffen. Zum bekannten Repertoire mit u.a. Grieg, Popper, Pärt und Schostakowitsch gesellen sich deshalb Auftragswerke. Moser hat die junge amerikanische Komponist:innen-Generation angefragt. Er spielt auf dem E-Cello und tritt auch in kammermusikalische Verbindung mit Künstlicher Intelligenz. Im Stück "Somewhere there ist something else" reagiert er als Musiker auf den Algorithmus einer Software. In "Ghost Radios" mischt sich sein Cello mit Störsignalen aus dem Zweiten Weltkrieg. Sechs Kompositionen für experimentelle Klangwelten und neu: aus allen Richtungen!

Dolby Surround-Atmos laden zu einem extrem räumlichen Hörabenteuer ein - die entsprechenden Kopfhörer bzw. Boxen vorausgesetzt. Normales Stereo funktioniert aber auch.

Johannes Moser, Cellist © Uwe Arens
Bild: Uwe Arens

Politische Dimensionen

Viel zu lange war die Klassikwelt eine vermeintlich heile, sagt Johannes Moser. Er findet es großartig, dass junge Komponist:innen mit ihren Stücken Anstoßen erregen wollen und Missstände thematisieren. Wie bei "Lobby“: Es geht um den Beginn der Black Lives Matter-Bewegung in den USA, als ein weißer Wachmann in Lynchjustiz einen Schwarzen erschoss und später freigesprochen wurde. Musik, die aufregen muss. Das Anhören ist krass.

Ruhender Gegenpol ist da Pablo Casals "Lied der Vögel". Es prangt wie ein Freiheitszeichen auf dem Album. Alle Einnahmen der Veröffentlichung als Single fließen der Nichtregierungsorganisation "Save the Children" zu.

Ulrike Jährling, rbbKultur