John Williams in Vienna; Montage: rbbKultur
Deutsche Grammophon
Bild: Deutsche Grammophon

ALBUM DER WOCHE | 21.09. – 27.09.2020 - "John Williams in Vienna": Die Wiener Philharmoniker und Anne-Sophie Mutter

Längst ist der Komponist John Williams eine lebende Legende. Fünf Oscars nennt er sein Eigen, für weitere 52 war er nominiert, dazu kommen unzählige Grammys. Ob er für "Indiana Jones", "Jurassic Park" oder "Star Wars" schrieb – die Filme wurden erst groß durch seine Melodien. Jetzt dirigierte er sie in Wien.

John Williams in Vienna - hier: Anne-Sophie Mutter und der Komponist; © Prashant Gupta
Bild: Prashant Gupta/DG

Die Wiener Philharmoniker sind im Kino-Modus und der bedeutet "infinite jest", unendlichen Spaß! Posaunist Johann Ströcker schwärmt davon, welche positive Probenatmosphäre Williams verbreitet hat. Alle im Orchester hätten den inzwischen 88-jährigen ins Herz geschlossen. Von der Stilsicherheit der Wiener sei er wirklich überrascht gewesen, erzählt wiederum Williams im Interview. Filmmusik würden sie doch nicht oft spielen?

Abenteuerschlacht im Konzertsaal

Die Wiener Philharmoniker seien moderner geworden, sagt Posaunist Ströcker, der seit 36 Jahren im Orchester ist und einen Generationswechsel miterlebt hat. Früher mag es Puristen gegeben haben, aber heute freue sich jeder, auch mal "was anderes" zu spielen. Die Kluft zwischen U- und E-Musik, also Unterhaltungs- und ernster Musik gäbe es nicht mehr. Außerdem schriebe Williams im klassischen Stil. Und, so fügt der Posaunist noch hinzu, vor allem für die Blechbläser ja einfach nur großartig!

Gut möglich, dass manch Orchestermitglied während des Konzertes gedanklich in filmische Abenteuerschlachten abdriftete. Ausgerechnet im Haupttitel droht das Orchester kurz auseinander zu fliegen. Die CD ist eben ein Live-Mitschnitt. "Star Wars"! Die Jedi-Ritter kämpfen, die Laserschwerter sind gezückt – "möge die Macht mit dir sein"! Die Musiken können aber ebenso als sinfonische Kleinode für sich stehen.

Eine Geigerin und die dunkle Seite der Macht

Als Geschenk an die Geigerin Anne Sophie-Mutter hat Williams einige seiner Kompositionen neu arrangiert. In den "Hexen von Eastwick" beispielsweise wird die Solistin selbst zur Hexengeigerin. Es bleibt Geschmacksache, ob die ursprüngliche Besetzung vielleicht überzeugender war. Fakt ist: Auf emotionaler Ebene kann Williams Musik einen forttragen.

Auch die eher spontane Programmänderung ist auf dieser CD dokumentiert. John Williams erinnert sich: "Wir hatten zwei Proben mit dem Orchester. Danach kamen die Orchestermanager zu mir und fragten: 'Können wir den 'Star Wars'-Marsch spielen?' Der stand nicht auf dem Programm. Ich fand, die Blechbläser hatten schon genug laute Stellen zu spielen. Die Trompeter hatten sich gemeldet. Bitte, nur noch diese eine Zugabe, den 'Imperialen Marsch', das berühmte 'Darth Vader Thema'"!

Williams ließ sich überreden und so durften die Blechbläser auch noch einmal auf die dunkle Seite der Macht. Posaunist Johann Ströcker auch. Seine Freude darüber leuchtet ein: "Das ist wie ein Neujahrs-Konzert ohne Radetzky-Marsch. Das wär auch nix, ne?"

Ulrike Jährling, rbbKultur