Kim Barbier: Ballade © Prospero
Prospero
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Album der Woche | 13.06. - 19.06.2022 - Kim Barbier: "Ballade"

Ihre künstlerische Devise ist Vielseitigkeit. Und so macht die in Berlin lebende französische Pianistin Kim Barbier gleichermaßen als Kammermusikerin und Solistin von sich Reden. Sie beschränkt sich dabei nicht nur auf klassische Musik. Zu ihrer großen Leidenschaft gehört auch der argentinische Tango.

Kim Barbier, Pianistin © Michael Reinicke
Bild: Michael Reinicke

Auf ihrem neuen Solo-Album "Ballade" spielt sie Stücke, die ihr persönlich viel bedeuten – und mit denen sie abermals beweisen will: "Dass ich vielfältig, keine Spezialistin bin. Mir ist wichtig, meine Essenz als Musikerin und als Mensch zu zeigen."

Und so hat Kim Barbier für dieses Album stilistisch ganz unterschiedliche Stücke aus verschiedenen Zeiten ausgewählt, vom Barock bis zur Gegenwart, von Domenico Scarlatti bis Bruno Delepelaire. Der Solocellist der Berliner Philharmoniker hat ein Klavierstück extra für sie komponiert.

Wie ein Rezital

"Ballade" soll wie ein Klavierabend klingen, meint Kim Barbier: "Ich wollte das Album wie ein Rezital-Programm gestalten und dabei verschiedene Facetten zeigen, ein Mosaik aus Stücken, die ich schon öfter im Konzert gespielt habe, und die ich besonders liebhabe.“

Ein Stück liegt ihr ganz besonders am Herzen: "Mozarts C-Dur-Sonate ist schon sehr persönlich. Ich habe als Kind ein Mädchen mit dem ersten Satz gehört und war total begeistert. In dem Moment dachte ich - ok, ich möchte Klavier lernen. Es war Liebe auf erstes Zuhören.“

Da war Kim Barbier acht Jahre alt und schon damals fest entschlossen, eine pianistische Laufbahn einzuschlagen.

Conservatoire de Paris

Nach ihrem Studium am Pariser "Conservatoire" machte Kim Barbier vor allem als Kammermusikerin auf sich aufmerksam. Doch sie tritt auch gern solistisch auf. Ihr erstes Solo-Album mit dem Titel "Evocation" veröffentlichte sie 2014.

Wie hat sie sich seitdem künstlerisch weiterentwickelt?

"Jetzt weiß ich, man muss einfach spielen, den Schwung nehmen und auf die große Phrase achten. Mein Tonmeister sagte bei der Aufnahme, vielleicht können wir das und das schneiden. Nein! Wenn wir etwas schneiden müssen, dann nur die falschen Noten. Wir müssen den großen Bogen behalten. Das ist für mich die höchste Priorität bei einer Aufnahme.“

Kim Barbier, Pianistin © Michael Reinicke
Bild: Michael Reinicke

Negativer Perfektionismus

Trotzdem ist Kim Barbier eine Perfektionistin. "Ich glaube, das gehört zu unserem Beruf. Aber ich versuche, zumindest minimal mit mir zufrieden zu sein, um nicht in den negativen Perfektionismus hineinzufallen. Ich bin zufrieden, wenn ich mit meinem Spiel ausdrücken kann, wie ich mich fühle, wer ich bin und wie ich mich entwickle. Musik ist wie eine Art Spiegel. Also, ich wünsche mir, dass ich musikalisch reifer geworden bin, aber ich kann mich selbst nicht so gut beurteilen.“

Erzählt die Pariserin mit vietnamesischen Wurzeln, die seit vielen Jahren in Berlin zu Hause ist. "Meine Mutter ist aus Vietnam und mein Vater aus Frankreich. Aber ich bin in Frankreich geboren und fühle mich schon als Französin.“

Ohne dabei jegliche Klischees zu erfüllen, fügt die Künstlerin scherzhaft hinzu: "Also, ich trinke keinen Wein, ich esse auch keinen Käse, tut mir leid. Ich bin trotzdem Französin. Und auch Berlinerin."

Marek Kalina, rbbKultur