Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonies No. 39 - 41; Antonello Manacorda © Sony Classical
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Album der Woche | 27.09. - 03.10.2021 - Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonien Nr. 39 - 41

Jede Note, die Mozart geschrieben hat, sei Theater, seine Partituren Inszenierungen, sagt der Dirigent Antonello Manacorda. Mit der Kammerakademie Potsdam, bei der er seit elf Jahren Chefdirigent ist, hat er die letzten drei Sinfonien aufgenommen, die Mozart geschrieben hat. In denen steckt auch viel Theater.

Antonello Manacorda © Nikolaj Lund/Sony Classical
Bild: Nikolaj Lund/Sony Classical

Mit Mozart-Opern hat Antonello Manacorda in vielen Theatern Europas und den USA debütiert. Gerade ist er in Wien, um "Le nozze di Figaro" zu dirigieren. Seine Opern-Erfahrungen kommen nun Mozarts Sinfonien Nr. 39 bis 41 zugute.

Plastisch, leidenschaftlich, spannungsgeladen

"Man erkennt in jeder Sinfonie immer eine Rolle auf der Bühne", sagt Antonello Manacorda. "Man erkennt Spannungen zwischen Themen, also zwischen Leuten auf der Bühne. Man sieht wie Mozart versucht, das Leben zu beschreiben. Und das macht er sehr theatralisch. Also man kann sich wirklich vorstellen: Leute auf der Bühne - ohne eine Inszenierung."

Und so gestaltet Manacorda mit den Musiker:innen der Kammerakademie Potsdam sinfonische Theaterszenen mit verschiedenen Charakteren, Dialogen, Handlungen und Gefühlswelten. Jedes Motiv bekommt einen eigenen Charakter, jedes Detail eine dramaturgische Bedeutung. Dadurch wirkt Mozarts Sinfonik so plastisch wie der Gesichtsausdruck eines Charakterdarstellers, so leidenschaftlich wie eine Liebesszene, so spannungsgeladen wie ein Streit, bei dem es um Leben und Tod geht.

Der Klang des 18. Jahrhunderts ohne Perücke und Reifrock

Sich mit historischer Aufführungspraxis zu beschäftigen, ist für Antonello Manacorda ein Muss - egal, ob er Musik aus Barock, Klassik, Romantik oder der Moderne aufführt. Wenn man eine Partitur öffne, so Manacorda, solle sich jeder Musiker mit der Frage beschäftigen: Wir klang die Musik damals, als der Komponist das geschrieben hat?

Klar, dass seine Mozart-Interpretationen nach 18. Jahrhundert klingen. Nach Perücke und Reifrock klingen sie allerdings überhaupt nicht. Das könne auch gar nicht anders sein, sagt Antonello Manacorda: "Ich bin ein Mensch des 21. Jahrhunderts und dirigiere mit meiner Erfahrung dieses Jahrhunderts. Und ich kann nicht anders, als modern zu sein."

Moderne Instrumente mit altem Blech und alten Pauken

Die Instrumente, für die sich die Musiker:innen entschieden haben, hatte Antonello Manacorda schon in seiner Zeit als Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra erprobt: Die modernen Instrumente der Streicher und Holzbläser werden mit historischen Blechblasinstrumenten und historischen Pauken kombiniert. "Und dank dieser Mischung hat man natürlich nicht so einen fetten Klang von dem Blech und den großen Pauken. Sondern es gibt eine Schlankheit und eine sehr prägnante Rhythmik sowie Akzente und Säulen in der Partitur, die Mozart für diese Instrumente geschrieben hat."

Kammerakademie Potsdam © Beate Wätzel/Sony Classical
Bild: Beate Wätzel/Sony Classical

Komplexe Musik, die super einfach klingen soll

Mozarts Musik ist komplex und vielschichtig. In seinen letzten drei Sinfonien gestalten Antonello Manacorda und die Kammerakademie Potsdam jede Note sehr sorgfältig. Ohne sich zu verzetteln und immer mit dem Blick aufs Ganze. Sie spielen so klar und prägnant, dass man als Hörer:in tief in Mozarts Kosmos eintaucht und doch immer die Übersicht behält.

Genau das war das Ziel von Antonello Manacorda: "Im besten Fall sollte Mozart super einfach klingen."

Imke Griebsch, rbbKultur