Mozart y Mambo mit Sarah Willis; Montage: rbbKultur
Bild: Alpha Classics

Album der Woche | 29.06. - 05.07.2020 - Sarah Willis: "Mozart y Mambo"

Wir haben jetzt den absoluten Sommer für Sie auf rbb Kultur und wollen Sie vor allem davon überzeugen, dass Mozart und Mambo perfekt zusammenpassen. Die Berliner Philharmonikerin und Ausnahme-Hornistin Sarah Willis hat gemeinsam mit kubanischen Musiker:innen Mozart eingespielt und auch den Mambo in Mozart hineingepackt. Die faszinierende Kombination ist zu hören auf ihrer neuen CD "Mozart y Mambo".

Das sieht aus … ist einfach ne CD. Aber was für Herzblut und Liebe und Sorgen und Schwitzen – was da alles drinsteckt! Und man hält es dann in der Hand und denkt: JA!

Sarah Willis

Natürlich ist es eine schweißtreibende Angelegenheit, wenn eine Hornistin Mozarts drittes Hornkonzert im tropischen Kuba aufnimmt! Und doch war es für Sarah Willis der perfekte Ort, das Orchester am Lyzeum Havanna die genau richtige Besetzung. Für Mambo ja sowieso, aber in besonderer Weise eben auch für klassische Musik:

"Das ist mir aufgefallen in einer Orchesterprobe. Normalerweise im Orchester wenn man Takte zählt, zählt man mit den Fingern so ganz still, so: 1, 2, 3, 4. Aber diese Musiker zählen mit dem ganzen Körper! Die zählen (spricht anders) 'Eins und zwei und drei und vier' und schütteln die Schulter dabei … und das war eine Mozart-Sinfonie! Und ich dachte: dieser Rhythmus, diese Lebensfreude, die sie haben – das passt eigentlich ganz super zu Mozart!"

Ein Ladys-Man

Auf einem ihrer Spaziergänge durch Havanna hatte Sarah Willis tatsächlich ein Mozart-Denkmal entdeckt. Und von den Einheimischen erfahren: Mozart mit seiner Lebenslust wäre ein guter Kubaner gewesen: "Der war ein Ladys-Man und die Kubaner denken auch so: 'Ja hey, Chica'" (lacht)

Mozart und Mambo – die Projektidee war geboren, auch um aufmerksam zu machen auf ein wirklich gutes Orchester an einem der nicht privilegierten Orte der Welt. Aufgenommen wurde in einer Kirche im Zentrum Havannas und wegen der Straßengeräusche niemals vor 22 Uhr.

Aufnahmen zu später Stunde

"Man hat alles gehört! Und Havana ist nicht gerade eine ruhige Stadt. Musik aus jeder Ecke, Kinder auf der Straße, Rikschas mit ganz lauter Reggaeton-Musik vorbeifahrend, die Autos hupen."

Ihre Solokadenzen spielte Sarah Willis gegen drei Uhr nachts ein, wobei auch da – ausgerechnet im besten Take – die Kirchenkatze mauzte. "Mozart in Kuba ist besonders". Und wie geht nun "Kuba in Mozart"?

"Wir haben gedacht, wir nehmen ein Stück, das jeder kennt (also jedenfalls in der Horn-Welt), dieser letzte Satz aus Mozarts Hornkonzert, das ist in einem 6/8-Takt: 'da dadadadadada dadadaddaaaaa'. Das ist so eine Tanznummer, das würde sich wunderbar in einen Mambo verwandeln, jedenfalls meinten das meine Hornisten in Havana."

Das Rondo à la Mambo entstand über Kontinente hinweg, Dank einer WhatsApp-Gruppe. Arrangeur Joshua Davis schriebt eine erste Vorlage in Australien, Saxophonist Yuniet Lombida kommentierte prompt aus Cuba per Sprachnachricht, erinnert sich Sarah Willis:

"'Hey, no man, du musst es so machen: Tschick, tschicka tschick Dumm tschicka Tschak' – es war witzig, er hat immer gesungen, die Rhythmen, die er gern hätte. Und Joshua sagte: 'Oh, okay, dann versuch ich das jetzt aufzuschreiben.'"

Mambo-Mozart Mix mit tollen Gastmusikern

Es ist hinreißender Mambo-Mozart Mix entstanden mit tollen Gastmusikern. Dirigiert von José Antonio Méndez Padrón, den Sarah Willis nicht genug loben kann:

"Der Pepe Méndez, der hätte überall eine Karriere als Dirigent haben können, auf der ganzen Welt. Aber er ist so ein leidenschaftlicher Kubaner, er will dort bleiben, er hat dieses Orchester aufgebaut. Und wenn man diese Beziehung zwischen ihm und dem Orchester sieht – das tut meinem Herzen richtig gut. Es war eine Ehre für mich, mit in diese Familie eingeschlossen zu werden."

Neues ausprobieren

Das Geld aus dem CD-Verkauf fließt zu einem Teil nach Havanna, neue Instrumente werden gebraucht! Ebenfalls auf der CD mit dabei mit dabei ein eher unbekannter einzelner Mozart-Konzertsatz. Dazu kommen drei original kubanische Songs und eben die arrangierten Verbindungsstücke, die natürlich besonders auffallen. Puristen dürfen sich locker machen:

"Ich spiele puren Mozart, das war mir auch ganz wichtig! Aber diese zwei kleinen Verbindungsstücke, dieses Rondo à la Mambo und die Sarahnade Mambo – da haben wir einfach was Neues ausprobiert. Und jetzt werden wir sehen, wie die Leute das finden." (lacht)

Was wohl Mozart, der alte Kubaner, sagen würde? "Ich denke, wenn er jetzt seine Kleine Nachtmusik so hören könnte – der hätte das gut gefunden, weil es ist mal was anderes! Für Sarah Willis jedenfalls war das Projekt "Mozart y Mambo" eine ihrer eindrücklichsten musikalischen Erfahrungen. Und: Begegnungen. "Es geht nicht darum 'Sarah Willis fährt nach Kuba und macht dort ne Aufnahme'. Eigentlich … ich glaube, ich hab mehr gelernt als die!"

Ulrike Jährling, rbbKultur