Nils Mönkemeyer & L'arte del mondo: Vivaldi - Paganini - Tartini; Montage: rbbKultur
Sony Classical
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Album der Woche | 01.03. - 07.03.2021 - Nils Mönkemeyer: "Italiano"

Der "Teufelsgeiger" Niccolò Paganini hat auch Bratsche gespielt, die größere Schwester der Geige, die gerne mal als langsam und behäbig bespöttelt wird. Niemand käme wohl auf die Idee, Paganini einen "Teufelsbratscher" zu nennen. Nils Mönkemeyer, einer der führenden Solisten unserer Zeit auf der Viola könnte diesen Titel aber jetzt mit Fug und Recht führen. Denn auf seinem neuen Album "Italiano" entdeckt er die Virtuosität in Musik von Vivaldi, Tartini, Paganini und dessen Lehrer Alessandro Rolla.

"Ich hab' mich bisschen gefühlt beim Aufnehmen, als würde man so auf einem Seil tanzen und man kann halt jederzeit runterfallen, aber wenn das Kunststück dann klappt, dann ist es auch eine große Befriedigung," sagt Nils Mönkemeyer.

Mit seinen Fingern turnt in den höchsten Höhen seiner Bratsche, zuerst in Musik, die sich ein virtuoser Geiger der Barockzeit mit ihren Showeffekten auf den Leib geschneidert: Antonio Vivaldi.

Italienische Reise von Vivaldi bis Paganini

Vivaldi ist der Ausgangspunkt einer italienischen Reise, die Nils Mönkemeyer gemeinsam mit dem Barockorchester L’arte del mondo unternimmt. Allerdings: Vivaldi hat kein einziges Bratschenkonzert komponiert. Seine Cellokonzerte sind jedoch leicht auf die Bratsche zu übertragen, denn die ist genauso gestimmt wie ein Cello – und kann genauso elegisch singen.

Auch bei den Fagottkonzerten Vivaldis ist Mönkemeyer fündig geworden. Allerdings hat Vivaldi für dieses Blasinstrument anders komponiert als er es in seinen Streicherkonzerten getan hat.

"Das Besondere ist dabei, dass er sehr viel mit Sprüngen arbeitet", erklärt Mönkemeyer. "Das ist jetzt auf dem Streichinstrument nicht unbedingt immer so attraktiv und stattdessen habe ich oft Stellen, die sehr viel Sprünge haben, in Anlehnung daran, wie er für die Geige geschrieben hat, ein bisschen in figurative und schnellere, virtuose Passagen gewechselt."

Wie live

Bei der Aufnahme hat Mönkemeyer viel improvisiert in den Kadenzen und in den Verzierungen bei Vivaldi. "Das war mir ganz wichtig, weil diese Musik aus Italien lebt ja von diesem Moment, der live entsteht und das haben wir versucht, bei der Aufnahme auch einzufangen."

Italien und halsbrecherische Virtuosität – da ist natürlich "Teufelsgeiger" Niccolò Paganini der Kronzeuge. Nils Mönkemeyer kommt auf seiner Reise zu Paganini aber erst beim spätbarocken Vorläufer Giuseppe Tartini vorbei. Der hat sich mit der Kunst der Bogenführung beschäftigt, L’arte del arco, und Tartinis Lehrstück nutzt Mönkemeyer selbst noch, wenn er unterrichtet.

Weitere Station auf der Reise: Alessandro Rolla. Der war Bratscher, hat zig Bratschenkonzerte komponiert und – Rolla war Paganinis Lehrer.

Paganinis "Sonata per la gran Viola" hat Mönkemeyer auf dem Album mit Orchester zum Bratschenkonzert gemacht.

Überirdischer Klang

Für ihn war vor allem der Klang der historischen Instrumente eine neue Erfahrung. "Durch die Darmsaiten und den klassischen Bogen wird der Klang viel weniger süßlich und rauer und es gibt viel mehr Rauschen im Klang, weil Paganini sehr extreme Lagen ausnutzt, also zum Teil spielt man oberhalb des Endes des Griffbretts, wo man normalerweise gar nicht spielt und mit den Darmsaiten macht das einen fast überirdischen Klang."

Paganini bereichert Mönkemeyer noch um ein fragiles Solo des italienischen Avantgarde-Komponisten Salvatore Sciarrino. Sieht sich Nils Mönkemeyer nach dieser Reise ins italienische Virtuosentum jetzt vielleicht als "Teufelsbratscher"?

"Also, ich glaube, Teufelsbratscher gibt es nicht, wir sind alle viel zu nett dafür."

Christian Schruff, rbbKultur