Ophélie Gaillard: Cellopera; Montage: rbbKultur
Aparté
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Album der Woche | 15.03. - 21.03.2021 - Ophélie Gaillard: "Cellopera"

"Die Zauberflöte", "Rigoletto" oder "Tosca" auf dem Cello: Das geht, findet die französische Cellistin Ophélie Gaillard und hat mit ihrem Instrument für ihr neues Album berühmte Opernarien eingespielt.

Die Idee dazu sei ihr vor gut zwanzig Jahren beim internationalen Musikfestival in Aix-en-Provence auf dem Hof des Erzbischofspalasts gekommen, erzählt die Cellistin. Zu den Proben zum später legendär gewordenen "Don Giovanni" mit Daniel Harding am Pult und in der Inszenierung von Peter Brook sei eines Tages der Tenor nicht erschienen. Kurzerhand sei ein Orchestermitglied für ihn eingesprungen und habe die Arie des Don Ottavio "Dalla sua pace" auf dem Cello gespielt. Die Arie hat sie auch in ihr Album genommen.

Für Ophélie Gaillard war das Ereignis damals in Aix eine Entdeckung:

"Es war ein Aha-Erlebnis, dass die Stimme des Cellos tatsächlich in der Lage ist, Charaktere aus der Oper zu verkörpern – und zwar ganz ohne die Worte aus den jeweiligen Arien."

"Ich versetze mich in die Bühnencharaktere hinein"

Ohne Worte: Die Arie "Morrò, ma prima in grazia" zum Beispiel, aus dem "Maskenball" von Guiseppe Verdi. Zum einen verbindet Gaillard das Werk eng mit Maria Callas. Zugleich, sagt sie, versetze sie sich beim Spielen in die Lage der Protagonistin: Eine Frau, die der Untreue beschuldigt wird, die sterben muss, aber ihren Sohn noch ein letztes Mal sehen möchte. Das Instrument, so die Cellistin werde beim Spielen Teil der Tragödie:

"Ich glaube, es kann wirklich den Schmerz hörbar machen der Mutter, die ihren Sohn nie mehr wiedersehen wird."

Das Cello: ein Verwandlungskünstler

An anderer Stelle singt Ophélie Gaillards Cello die Arie "Ach, ich fühl’s" aus Mozarts "Zauberflöte", in der Pamina glaubt, die Liebe Taminos verloren zu haben.

Dann wiederum wird das Cello zum Dichter Lenski aus Peter Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin". Während Lenski auf Onegin wartet, den er zum Duell herausgefordert hat, blickt er zurück auf sein Leben und fragt: "Wohin, wohin seid ihr entschwunden, o Jugendzeit, o Liebesglück?"

Ob "Tannhäuser" oder "Madame Butterfly": alles ist möglich

Ophelie Gaillard ist begeistert, wie gut ihr Instrument in der Lage sei "alle Lagen der menschlichen Stimme aufzugreifen". So könne sie gleichermaßen weibliche wie männliche Charaktere darstellen.

Wagners "Tannhäuser" gelingt der Cellistin genauso einfühlsam wie Puccinis "Madame Butterfly". Oder die Arie des Nemorino "Una furtiva lagrima" aus der Oper "L’elisir d’amore", "Der Liebestrank", von Gaetano Donizetti.

Ein altes Instrument, das alle Epochen durchgemacht hat

Das Besondere an Ophélie Gaillards Cello: Der venezianische Geigenbauer Francesco Goffriller hat das Instrument im Jahr 1737 gebaut. So hat es sämtliche Opernarien auf dem Album - vom 18. bis hinein ins frühe 20. Jahrhundert - sozusagen als Zeitgenosse erlebt. Es sei unglaublich, ein Instrument in den Händen zu halten, das all diese Epochen durchgemacht habe, sagt die Französin.

Möglicherweise sei es im 18. Jahrhundert bereits in der Pietà in Venedig gespielt worden: "Es gibt dafür keinen Beweis, aber das ist durchaus möglich."

Belcanto auf dem Cello

Cello-Oper. Cellopera! Ophélie Gaillard führt vor, wie das klingen kann. Und was alles im Cello steckt. Ihr Instrument, so Gaillard, sei wie ein Chamäleon. Es verändere sich, je nachdem, welchen Bühnencharakter es zu "singen" habe:

"Und indem ich mit meinem Bogen die Klänge, die Vokale, die Konsonanten gestalte, spreche ich durch das Instrument - in der Sprache des jeweiligen Komponisten."

Antje Bonhage, rbbKultur