Pictures - mit Pål Eide; Montage: rbbKultur
Danacord
Bild: Danacord

ALBUM DER WOCHE | 17.08. – 23.08.2020 - Pål Eide - "Pictures"

Unweit von Bergen befindet sich das Anwesen "Troldhaugen". Hier lebte und arbeitete der Komponist Edvard Grieg in den Sommermonaten. An dessen Flügel hat nun der norwegische Pianist Pål Eide seine neueste CD aufgenommen – mit Werken von Edvard Grieg und drei weiteren nordeuropäischen Komponisten.

Pål Eide ist aufgewachsen mit der Musik von Edvard Grieg und hat eine starke Beziehung zu ihr. "Grieg war sehr eng mit der norwegischen Natur verbunden, er liebte es, in den Bergen zu wandern. Und die Bilder konnte er dann in Musik ausdrücken wie nur ganz wenige Komponisten", sagt der Pianist. Er ist Norweger durch und durch, auch wenn er seit etlichen Jahren berufs- und familienbedingt in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen lebt.

Grieg ganz nah

Vor drei Jahren wurde Pål Eide von der Leitung des Grieg-Museums eingeladen, auf Troldhaugen ein Konzert zu geben. Der Eindruck war für ihn überwältigend. Ihm war sofort klar: Hier mache ich eine CD!

Griegs Möbel stehen nach wie vor im Wohnzimmer, der Raum ist voll von Bildern, Hausrat und Geschenken, die er bekommen hat. Vom größeren der beiden Konzertsäle aus hat man einen Blick über den See hinüber zur der kleinen Hütte, in der Grieg ungestört komponieren konnte.

Das Herz von Troldhaugen

Im großen Konzertsaal auf Troldhaugen steht Griegs Steinway-Flügel aus dem Jahr 1892. Er ist in einem hervorragenden Zustand und hat einen einmaligen, wunderschönen Klang, sagt Eide. "Er klingt mehr nach warmem Holz als nach kaltem Metall wie moderne Instrumente. Man hört, dass er alt ist, aber auf angenehme Weise, er hat eine Art dunklen 'Glockenklang'. Ich kann sehr sanft spielen und das ist mir sehr wichtig. Beim Spielen bin ich manchmal regelrecht in der Musik versunken - und habe die Welt draußen gar nicht mehr wahrgenommen! Grieg hat Harmonien als Farbe verwendet. Und das inspirierte ganz direkt Claude Debussy und Maurice Ravel. Diese beiden Komponisten hat er nachweislich beeinflusst!"

Ob Grieg auch den Russen Modest Mussorgsky inspiriert hat, kann Pål Eide nicht sagen. Dessen weltbekannte "Bilder einer Ausstellung", die sich auf der CD ebenfalls finden, passen allerdings hervorragend zu den Miniaturen von Grieg und drei anderen nordeuropäischen Komponisten.

Der Pianist als Maler

Pål Eide hat versucht, musikalische und historische Verbindungen zwischen den Stücken aufzuzeigen, hat nach harmonischen, melodischen oder rhythmischen Ähnlichkeiten gesucht. So ergibt sich ein natürlicher Fluss. Aber er möchte auch Kontraste hörbar machen, zwischen einzelnen Stücken, aber auch innerhalb eines Stücks. Bilder im Kopf – sie erscheinen zwangsläufig beim Hören der CD.

Und das möchte Pål Eide auch erreichen. "Man könnte Klavierspielen auf jeden Fall mit Malen vergleichen! Insofern das Spektrum der Töne sehr groß ist, ebenso wie das an Farben. Der Interpret muss diese Töne, wie der Maler die Farben, mit Gefühl und Sachverstand einsetzen, für das, was er erreichen will. So gesehen sehe ich mich schon als einen Maler in der Musik!"

Claus Fischer, rbbKultur