Rahel Rilling u. Johannes Roloff: Pure Bach © Hänssler Classic
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Album der Woche | 17.01. - 23.01.2022 - Rahel Rilling: "Pure Bach"

Johann Sebastian Bach war ein Genie, das wird immer wieder gesagt. Auf jeden Fall war er als Komponist derart perfekt, dass er die Musik aus seinem Kopf heraus mühelos aufs Papier bringen konnte, ohne noch groß daran feilen zu müssen – meistens. Bei den um 1720 herum Sonaten für Violine und Generalbass war das anders: 30 Jahre lang, bis zu seinem Tod, hat er immer wieder Änderungen, Verbesserungen daran vorgenommen. Für jede professionelle Geigerin, jeden professionellen Geiger sind diese Werke ein Muss, so auch für Rahel Rilling. "Pure Bach" heißt ihr Solo-Debüt-Album mit den sechs Sonaten.

"Ich liebe einfach Bach ... die Basis von Allem, der Ursprung! Also finde ich das einen super Start, um eine CD damit zu machen. Und diese Sonaten interessieren mich schon sehr lange, die liegen mir sehr am Herzen“, sagt Rahel Rilling, die in Stuttgart aufgewachsen ist, als Tochter des Dirigenten und Bach-Spezialisten Helmuth Rilling. So blieb ihr eigentlich nichts anderes übrig, als die Musik zum Beruf zu machen, meint sie augenzwinkernd.

"Ich hab' mit vier Jahren schon angefangen, Geige zu spielen, weil ich von meinem Patenonkel damals eine geschenkt gekriegt hab' und die Blockflöte dann irgendwie ein bisschen langweilig fand. Und dann hab ich gedacht: Och, die Geige finde ich jetzt doch viel spannender. Und dann hab' ich meine Mutter immer gefragt: 'Wie geht das denn mit dem Wimmern?' . Und damit meinte ich das Vibrato.“

Der Komponist Robert Kahn: Ahne mütterlicherseits

Die Mutter von Rahel Rilling ist nicht nur Geigerin, sie hat auch einen besonders interessanten Vorfahren: Ihr Großvater war der jüdische Komponist Robert Kahn. Er war Schüler von Johannes Brahms und hat in Berlin Kammermusik unterrichtet, aber auch Klavier. Bekannt war er u.a. mit Albert Einstein und Clara Schumann.

Satter und sinnlicher Ton

Das 19. Jahrhundert, die Epoche der Romantik, ist für Rahel Rilling also mindestens so prägend wie Bach. Und das hört man deutlich! Ihr Violinspiel ist satt und sinnlich, sie geizt nicht mit Vibrato. Besonders empfindsam gestaltet Rahel Rilling die langsamen Sätze der sechs Bach-Sonaten, hier kann man sich beim Hören fallen lassen und mit der Interpretin schwelgen, ja regelrecht im Bach-Klang baden.

Rahel Rilling u. Johannes Roloff © Meike Kenn
Bild: Meike Kenn

Duopartner Johannes Roloff

Dass Rahel Rilling die Bach-Sonaten mit Klavier und nicht mit Cembalo aufgenommen hat, das ist bei ihrer Lesart dieser Musik nur konsequent. Ihren Duopartner Johannes Roloff lernte sie im Konzert kennen. Er spielte Bachs Goldberg-Variationen. Nach wenigen Minuten war ihr klar: Dieser Kollege tickt ähnlich!

"Tatsächlich war das dann auch so, dass wir bei den Proben nie so viel gesprochen haben, wir haben eigentlich mehr gespielt als gesprochen, das war immer ziemlich klar, wie wir es beide haben wollen. Und wenn dann mal etwas war, dann haben wir es dreimal gespielt und dann passte es wieder. Das hat einfach sehr gut gematcht!"

Lust auf weitere Aufnahmen

Rahel Rilling hat sich für ihr Debüt-Album "Pure Bach" viel Zeit gelassen, war sich lange nicht sicher, ob sie überhaupt eine Solokarriere anstrebt. Nach der Aufnahme, sagt sie, habe sich das aber geändert. "Das hat so großen Spaß gemacht, dass ich jetzt irgendwie auf den Geschmack gekommen bin! Jetzt hätte ich gleich Lust, eine (CD) nach der anderen aufzunehmen. Aber tastsächlich ist das ja auch nicht so, dass man heutzutage von CDs reich wird."

Dennoch wird man von Rahel Rilling in nächster Zeit hoffentlich noch mehr hören. Womöglich Musik ihres Urgroßvaters Robert Kahn oder von dessen Lehrer Johannes Brahms. Bach hat beide Komponisten auf jeden Fall stark beeinflusst.

Claus Fischer, rbbKultur