Daniel Hope: Serenades; Montage: rbbKultur
Bild: Deutsche Grammophon

Album der Woche | 05.04. - 11.04.2021 - "Serenades": Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester

Auf seiner Geburtstags-CD zum 75. hat das Zürcher Kammerorchester Highlights des Repertoires versammelt: Streicher-Serenaden von Mozart, Tschaikowsky und Elgar. Daniel Hope leitet und ist vor allem Teil des Ganzen.

Seine ersten Erinnerungen an das Zürcher Kammerorchester reichen tatsächlich bis in die frühe Kindheit, erzählt Musikdirektor Daniel Hope. Schließlich war es das Hausorchester in Gstaad beim Menuhin-Festival und der junge Daniel als musikalischer Ziehsohn von Menuhin saß gefühlt in jeder Probe, jedem Konzert. Das Orchester habe sich, so der Geiger, regelrecht in seine DNA eingeschrieben.

Hope ist ein leidenschaftlicher Kammermusiker

Der 75. Geburtstag wird jetzt mit feinsten Klangperlen gefeiert. Die kleine Besetzung - nur Streicher! - passte zur Corona-Situation, auf dem Plan standen die drei Streicher-Serenaden aber tatsächlich schon länger. Schließlich ist Daniel Hope leidenschaftlicher Kammermusiker und verehrt die Gattung Streichquartett. "Streichorchester" sei eine kongeniale Erweiterung des Klanges. Dazu der schöne Bass!

Hope schwärmt: "Das ist ein wiederkehrender Effekt des 'Wohlseins über die Musik'. Und das Spannende an diesem Projekt ist, dass man zwischen Mozart, Elgar und Tschaikowsky drei ganz verschiedene Welten hat."

Unterhaltung, gar mit Tanz

Ist der erste Satz von Tschaikowskys Serenade noch ganz Hommage an sein Idol Mozart, entführt er uns im zweiten in einen Ballsaal der Belle Époque. Daniel Hope nennt sie "eine der feinsten und schönsten Melodien der Musikgeschichte". Im Walzertakt tanzt sie ins Ohr - ganz Publikumsliebling! Der Geiger erklärt das Tschaikowsky-Geheimnis. Er verkörpere in seiner Musik, worum es geht. Tschaikowsky zeichne das Leben nach. Immer einen Hauch melancholisch, immer einen Hauch sentimental, aber nie zu viel.

Seiner Elegie lässt der Komponist im vierten Satz noch zwei russische Themen folgen. Aber sicher: Serenaden sind Unterhaltungsmusik, kleine Inseln des Seelenglücks.

Muss über Mozarts Nachtmusik noch etwas gesagt werden? Nur so viel. Beim Spielen wird sie Daniel Hope nie zu viel: "Wir stürzen uns immer rein, und das ist das Phantastische an Mozart. Genau wenn du denkst, du hast ihn, dann kommt er um die Ecke und sagt: Aber doch nicht so."

Nichts als Musik

Schwelgend, zugleich aber doch licht und leicht klingt Elgars Streicherserenade. Dem Briten würde die Interpretation der Schweizer sicher gefallen. Warmer Klang und frischer Zugriff - dafür steht das Zürcher Kammerorchester seit 75 Jahren. Maske und Abstand waren jetzt natürlich Herausforderung. Der Musik konnte das nichts anhaben. Nicht bei Mozart, nicht bei Tschaikowsky und nicht bei Elgar. In diesem Fall: Sieg für die Kunst!

Ulrike Jährling, rbbKultur