Simon Höfele: New Standards © Berlin Classics
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Album der Woche | 17.05. - 23.05.2021 - Simon Höfele: "New Standards"

Die Trompete kann mehr als Fanfaren schmettern. Das beweist Simon Höfele eindrucksvoll auf seinem neuen Album "New Standards". Gemeinsam mit der Pianistin Elisabeth Brauß hat er Kammermusik für Trompete und Klavier aufgenommen, die für ihn das "Epizentrum" sind.

Für sein Album "Standards" mit Werken für Trompete und Orchester hat Simon Höfele den "Opus Klassik 2020" bekommen - jetzt legt der junge Trompeter mit "New Standards" nach.

Voll auf die Zwölf

Simon Höfele unternimmt keinen musikalischen Spaziergang durch die Epochen. Alle Werke sind im 20. Jahrhundert entstanden. Den Anfang macht die "Intrada" von Arthur Honegger - ein kraftvolles und mitreißendes Eröffnungsstück oder wie Simon Höfele es ausdrückt: "Voll auf die Zwölf."

Zum Kernrepertoire von Trompetern gehört auch die Sonate für Trompete in B und Klavier von Paul Hindemith, die Simon Höfele bereits als Elfjähriger interpretierte. Bei einem Kurs für Kammermusik wurde seine Begeisterung geweckt:

"Ich habe es gehört und alle haben gesagt: das ist so schwer! Da habe ich gleich gesagt, ich will das auch spielen! Na klar, der Kleine will das natürlich auch spielen! Ich habe so viele Eintragungen in meinen Noten, teilweise noch in kindlicher Schrift, und hinten dran stehen aktuelle Bemerkungen. Und ich merke, wie tiefgründig diese Musik ist, sie wird nicht alt, sie wächst mit, sie ist immer noch aktuell."

Der dritte Satz "Trauermusik. Alle Menschen müssen sterben" geht den Interpreten an die Substanz:

"Das war immer der Witz, den man gerissen hat. Alle Trompeter müssen sterben, das ist wahr. Es ist nicht hoch, es ist alles andere als schnell, es ist langsam, es passiert gar nichts - dieses Sterben so rüberzubringen, mit einer Unausweichlichkeit, die da ist und die näher rückt, egal, was man macht - das ist so intensiv, ganz profan - es geht einem die Luft am Ende immer aus und die Lippen werden dünner."

Viele Farben und Facetten

In der unbekannten Trompetensonate des Österreichers Karl Pilss darf Simon Höfele in spätromantischen Klangkaskaden baden. Die Sonatine von Jean Françaix gibt sich verspielt und "Aria et Scherzo" des Armeniers Alexander Arutjunjan entpuppt sich als Partymusik. Die Trompete klingt weich und leise, sie jauchzt, flüstert, singt und tanzt. Simon Höfele zaubert viele Farben und Facetten auf seinem Instrument hervor. Der Jazz schimmert dabei immer wieder durch.

"Zu der Zeit als alle Werke komponiert wurden, gab es den Jazz schon. Die Trompete ist dann groß geworden mit dem Jazz. Louis Amstrong, Chet Baker, Miles Davis - ich glaube, dieser Einfluss war so groß. Da ist die Trompete auch im klassischen Bereich vom Jazz sehr beeinflusst, ich find‘s cool."

Fotograf Höfele

Auf dem Cover des neuen Albums nimmt Simon Höfele den Betrachter ins Visier. Die Trompete wird zum Zielfernrohr und Simon Höfele zum Fotografen. Alle Bilder hat der Musiker geschossen.

"Man kennt das Bild von diesem amerikanischen Typen auf dem 'We want you'-Plakat, der mit dem Finger auf einen zeigt. Da zeigt man auf die Zuhörer und ich glaube, es funktioniert visuell sehr gut."

Barbara Overbeck, rbbKultur