Sophie Pacini: Rimembranza; Montage: rbbKultur
Avenir
Bild: Avenir

ALBUM DER WOCHE | 14.09. – 20.09.2020 - Sophie Pacini: "Rimembranza"

Es ist das sechste Soloalbum, das die Pianistin Sophie Pacini hier vorlegt – und es ist ein Konzeptalbum. Was sich hinter dem Titel "Rimembranza" verbirgt, erfahren Sie von Birte Mensing. Sie hat mit Sophie Pacini gesprochen – und stellt unser Album der Woche vor.

"Rimembranza" – Dahinter stehen Pacinis Erinnerungen: "Aus jedem Saal, aus jeder Stadt nehme ich Impressionen mit und die verankern sich automatisch in meinem Spiel und insofern lebe ich natürlich auch in einem Kaleidoskop der Erinnerungen."

Die junge Pianistin nimmt uns mit in ihr Land der Erinnerung, ausgehend von Franz Schuberts Sonate in a-Moll. "Da sich auch biografisch für mich in den letzten Jahren einiges verändert hat und auch Erkrankungen und Todesfälle in der Familie vorgefallen sind, habe ich für mich dieses Stück nochmal neu entdeckt. a-Moll ist ja eine Tonart des Todes, in gewisser Weise auch des Trostes, aber auch der Verzweiflung und der Ohnmacht.

Schubert und Mozart

Eine logische Ergänzung zur Schubert-Sonate war für Sophie Pacini Mozarts -Sonate in a-moll KV 310, die er kurz nach dem Tod seiner Mutter geschrieben hat. Pacini hört hier schon den "Don Giovanni, und es hat wirklich auch dieses Brodelnde, Diabolische."

Sophie Pacini spürt den Stimmungen, der Melancholie der Stücke nach, wenn sie sich in ihre Werkstatt zurückzieht. Doch sie lässt sich nicht von der Melancholie gefangen halten. Die CD beginnt mit einem Stück von Mozart, das wohl bei den meisten allerlei lustige Erinnerungen hervorruft, seinen Variationen über das französische Volkslied "Ah, vous dirai je Maman".

Sophie Pacini im kulturradio-Studio; © Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf

Erinnerungen werden Musik

"Es gibt Momente, da sitze ich auf der Bühne und plötzlich muss ich schmunzeln. Und das ist einfach, weil eine Erinnerung mein Gedächtnis streift," sagt die Pianistin. Dieses Bühnengefühl auch im Studio aufkommen zu lassen, war Sophie Pacini wichtig. Sie hat deshalb Freunde und Familie ins Studio eingeladen.

Sophie Pacini schafft in ihrer Musik klare Kontraste – gleitet von der Schwere in die Leichtigkeit, mal klingt ihr Spiel fast ironisch, dann plötzlich sakral. "Dieses Spiel der Psyche hat mich schon immer sehr fasziniert. Wann ist der Moment, wo es umbricht?"

Aus dem Nebel und dem Suchen der Melancholie führt Andrea und Ennio Morricones "Love Theme" aus dem Film "Cinema Paradiso". "Das ist einfach für mich auch in gewisser Weise eine Ode an dieses Land, das mich ja auch geprägt hat, gerade dieses Leben in den Erinnerungen und die Erinnerungen in der Gegenwart zu verankern – und damit die Zukunft zu bestreiten."

Birte Mensing, rbbKultur