Vision String Quartet: Spectrum © Warner Classics
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Album der Woche | 06.09. - 12.09.2021 - vision string quartet: "Spectrum"

Die vier jungen Musiker vom vision string quartet haben ein Album mit eigenen Songs rausgebracht und keine Berührungsangst mit Pop. Ganz im Gegenteil.

Ein Faible für Folk, Rock & Funk, jede Menge Gefühl für Stimmungen und ordentlich Rhythmus und Drive. Das sind die Zutaten zum Album Spectrum. Eine junge Generation dekliniert die Gattung Streichquartett neu und jenseits der Klassik. Auch wenn da die Wurzeln des Vision String Quartetts liegen. Denn unter anderem haben Jakob Encke, Daniel Stoll, Leonard Disselhorst und Sander Stuart beim renommierten Artemis-Quartett studiert. Sie lieben auch Schubert und Mendelssohn.

Geschichten und Statement

Seit langem schon hat das Vision String Quartett sein Konzertpublikum nach einer Hälfte Klassik mit einer zweiten, "anderen" Hälfte überrascht. Nun also ein ganzes Album auf den neuen Wegen. Manchmal sind die Songs biografisch inspiriert. So erinnert zum Beispiel der erste Geiger Jakob Encke mit seinem Stück "Willys Farewell" an seinen Großvater, der Primarius im legendären Melos-Quartett war und ohne den Jakob nie zum Streichquartett gekommen wäre.

Begegnungen, Erlebnisse und Reisen haben sich hörbar niedergeschlagen in den Songs. Und die Begeisterung für die Musik des Nordens. Davon künden auch Songtitel wie "Copenhagen" oder das imaginäre "Fjordeby", irgendwo im verregneten Skandinavien. Apropos Reisen – die Visions verkörpern nicht nur musikalisch eine junge, zukunftszugewandte Generation. Sander Stuart betont im Interview, das alle leidenschaftlich gern Zug fahren, natürlich aus klimatechnischen Gründen. Und eben auch bis Norwegen. Innerhalb Deutschlands sei Fliegen ja wohl völlig sinnlos, das soll noch mal betont sein.

Hörspaß – auch zum Anschauen

Sicherlich ist es passender, für dieses Album von einer Band zu sprechen. Es wird ausgelotet, was alles geht. Und es geht viel! Spezielle Mikros sorgen für Klang-Verstärkung und Dank des zugeschalteten "Octavers" hat das Cello sogar mehr Tiefe als ein Kontrabass.

Sander Stuart hat früher Schlagzeug gespielt und sowieso sind alle vier extrem rhythmusaffin. Also wird für den Song "Shoemaker" auch auf den Instrumenten geratscht, gesägt und geklopft – Geigen und Bratsche werden zu Rhythmustrommeln. Ein Loblied auf das Handwerk!

Sicherlich taugt manch Song auch fast für die Werbebranche. "Paraglider" zum Beispiel ist eine Art Filmmusik fürs Drachenfliegen. Doch warum auch nicht. Betrachtet man das gesamte Album bleibt festzustellen: Der Rhythmus macht zu viel Kitsch einen Strich durch die Rechnung. Im Hit "Samba" werden Violinen und Bratsche dann zu Ukulelen und Gitarre. Unendlicher Spaß und musikalisch auf höchstem Niveau.

Hier die dringende Empfehlung, sich unbedingt mal die selbst produzierten Videos der Visions im Netz anschauen. Einfach nur bezaubernd. Und herrlich jung.

Ulrike Jährling, rbbKultur

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