Wolfgang Amadeus Mozart: Gran Partita; Akademie für Alte Musik Berlin © Harmonia Mundi
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Album der Woche | 28.06. - 04.07.2021 - Wolfgang Amadeus Mozart: Gran Partita

Die Bläser der Akademie für Alte Musik Berlin haben Wolfgang Amadeus Mozarts Serenaden in Es-Dur und in B-Dur – die "Gran Partita" – eingespielt. Oboistin Xenia Löffler hat die Organisation des Projekts übernommen und hat uns erzählt, was es mit einem reinen Bläserensemble – auf historischen Instrumenten! – und mit dieser Musik auf sich hat.

Die Bläser der Akademie für Alte Musik Berlin haben sich einen Herzenswunsch erfüllt. Kurz vor dem Corona-Lockdown konnten sie zwei Serenaden von Wolfgang Amadeus Mozart aufnehmen, darunter die ausladende "Gran Partita". Mit den vielen Klangfarben ihrer historischen Instrumente bringen die 13 Musikerinnen und Musiker die Werke wunderbar zum Strahlen.

Einen "sehr einfachen, ungekünstelten, gefälligen Charakter" habe die Serenade, ihr Vortrag müsse daher "angenehm und schmeichelnd" sein, fand der Musiktheoretiker Daniel Gottlob Türk im Jahr 1789. Diese meist abendliche Unterhaltungsmusik auf Blasinstrumenten war Ende des 18. Jahrhunderts in adeligen und großbürgerlichen Kreisen populär.

Individualist Mozart

Mozart wäre aber nicht Mozart gewesen, hätte er dieses heitere Genre nicht auf seine ganz eigene Weise vorangebracht. Er hat drei derartige Werke komponiert, zwei davon haben die "Akamus"-Solisten in den Teldex-Studios in Berlin-Lichterfelde aufgenommen. Ist das Es-Dur-Oktett, KV 375, noch relativ konventionell, so hat seine posthum "Gran Partita" überschriebene Serenade B-Dur, KV 361, sinfonische Dimensionen und stellt hohe spieltechnische Anforderungen.

Mit Bravour

Das Ensemble hat die Aufgabe mit Bravour gelöst, mit ebenso großer Spielfreude wie Risikobereitschaft. Besonders der charaktervolle Klang der (nachgebauten) historischen Instrumente verhilft der Einspielung zu einem ganz eigenen, mitreißenden Sound. "Ich bin total glücklich mit der Aufnahme", sagt die Oboistin Xenia Löffler, die das Projekt organisatorisch vorbereitet hat, "ich weiß nicht, ob man das auf modernen Instrumenten so herstellen kann. Und mit so 'ner gewissen Kompromisslosigkeit, die wir auch in unserem Ensemble lieben, kann man das besonders schön darstellen und volles Risiko gehen. Und das macht einfach unheimlich Spaß."

Xenia Löffler, Oboe; © Daniel Maria Deuter
Bild: www.xenialoeffler.com

Unter die Haut

"Der Klang unserer Instrumente kann etwas sehr Feines haben, aber er kann eben auch etwas sehr Rustikales haben, bei den Hörnern zum Beispiel. Das ist eine unheimliche Bereicherung, dass er eben nicht dieses Geglättete hat, wonach man bei der Modernisierung aller Blasinstrumente gesucht hat, v. a. im Laufe des 19. Jahrhunderts. Sondern dass er etwas sehr Menschliches hat, also in gewisser Weise den menschlichen Affekten sehr nahe kommt in ihrer Kompromisslosigkeit. So ein Akkord kann unheimlich süß sein, aber er kann auch herb und auch manchmal schmerzhaft. Es ist einfach fantastisch, dass es auch mal so richtig unter die Haut fährt."

Menschen-Abbilder

"Was Mozart an Einfällen gehabt hat und wie er das den Instrumenten auch auf den Leib schreibt! Also man denkt fast nicht mehr an Instrumente, wenn man das hört, sondern es ist, als hätte er Personen vor Augen gehabt, die ihn vielleicht auch wirklich umgeben haben. Man hört einfach einen menschlichen Charakter. Und vielleicht müssen wir dem nachspüren und versuchen, jedem Instrument seinen Charakter zu geben und in diese Rolle reinzuschlüpfen, die Mozart vielleicht als Mensch da auch vor Augen gehabt haben könnte."

Rainer Baumgärtner, rbbKultur