Dominik Wagner: Revolution of Bass © Berlin Classics
Berlin Classics
Bild: Berlin Classics

Album der Woche | 15.11. - 21.11.2021 - Giovanni Bottesini: "Revolution of Bass"

Giovanni Bottesini hat viel für Kontrabass komponiert, ein Instrument, das im heutigen Konzertbetrieb eher unterrepräsentiert ist. Dabei taugt der Bass nicht nur als Orchesterinstrument oder für Jazz und Tango. Der Kontrabassist Dominik Wagner zettelt nun eine kleine Revolution an. Dabei meint der Titel "Revolution of Bass" eher eine "Rückbesinnung auf Bass".

Zu Lebzeiten war Giovanni Bottesini ein Star. Bekannt als der Paganini des Kontrabasses füllte er die großen Konzertsäle. Faszinierend, was er sich alles in die Noten geschrieben hat, um zu glänzen. Virtuos müssen die Finger über die Saiten rasen, werden die Lagen gewechselt - vom tiefen ins hohe Register und wieder zurück. Flageoletts eröffnen dazu neue Klangdimensionen. Für den 25-jährigen Dominik Wagner die perfekte Herausforderung. Am meisten aber interessiert ihn an Bottesinis Musik das Gesangliche.

Opern auf Saiten

Bottesini war auch Dirigent und in der Oper zu Hause, dirigierte beispielsweise die Uraufführung von Verdis "Aida". Kurz darauf komponierte er sein erstes Kontrabass-Konzert, durchsetzt vom Belcanto-Stil.

Das sind Opern auf dem Kontrabass, richtige Arien, schwärmt Dominik Wagner. Und ja! Auf dem Kontrabass könne man eigentlich noch besser singen als auf dem Cello. Er als ehemaliger Cellist dürfe das (leise) sagen. Im Vorfeld der Aufnahmen hörte er übrigens viel Pavarotti.

Dominik Wagner, Kontrabassist © Maria Frodl
Dominik Wagner, Kontrabassist | Bild: Maria Frodl

Bedürfnis nach Romantik. Mit Hosenträgern.

Kongenialer Partner ist das Württembergische Kammerorchester unter Emmanuel Tjeknavorian. Doch das Album präsentiert Bottesini in äußerst vielfältigen Klangfarben: Kontrabass solistisch mit Orchester, aber auch im Duo mit Violine oder Cello, als Singstimme in Verbindung mit dem Klavier oder auch in Kombination mit Gesang. Immer geht es hochromantisch zu.

Auf Fotos im Booklet des Albums posiert der junge Dominik Wagner zwar in lässigem Outfit vor urbaner Kulisse. Wenn er aber musiziert, dann ganz ohne Coolness-Faktor. Stattdessen mit unglaublich viel Vibrato und Gefühl. Ein inneres Bedürfnis, sagt er. Tatsächlich hat Dominik Wagner mit fokaler Dystonie gekämpft, auch bekannt als Musikerkrampf. Er hat die Krise überwunden. Doch nur, wenn er seinem inneren Ohr folgt, funktioniert auch die komplexe Motorik.

Beim Zuschauen ist es noch schöner. Markenzeichen des noch so jungen romantischen Revoluzzers Dominik Wagner ist seine Anzugsordnung im Konzert: Stets schickes Hemd und Hosenträger.

Ulrike Jährling, rbbKultur