Xenon Saxophone Quartet: Dedicated To © GWK Records
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Album der Woche | 20.09. - 26.09.2021 - Xenon Saxophone Quartet: "Dedicated To"

Dem Xenon Saxophone Quartet kann man kein X für ein U vormachen. Sie haben eine ganz besondere Beziehung zur Abkürzung "Xe" wie Xenon. Jetzt haben die vier Saxophonisten ihr Debütalbum "Dedicated To" veröffentlicht: Eine spannende Mischung aus bekannten Klassikern, die im Original nicht für Saxophon gedacht sind und zeitgenössischen Kompositionen.

Lukas Stappenbeck vom Xenon Saxophone Quartet erkärt: "Beim X, wenn man sich das bildlich vorstellt, kommt etwas aus vier Ecken und trifft sich in der Mitte - und so sehen wir das auch: Wir sind vier Musiker, vier Saxophonisten, die sich in der Mitte zu einem Klang zusammenfinden.“

Das große X und das kleine e - "Xe" - stehen dabei für ein sehr seltenes chemisches Element: "Xenon ist ein reaktionsfreudiges Edelgas, aber einatomig. Und diese Einatomigkeit versuchen wir auch hinzubekommen.“

Streichermusik geblasen

"Aus Holbergs Zeit". Die Suite im alten Stil von Edvard Grieg klingt zunächst ungewohnt, wenn vier Saxophone in vier Tonlagen spielen - von hoch bis tief. Sopran, Alt, Tenor und Bariton. Doch die Suite gehört seit Langem zum Repertoire des Xenon Saxophone Quartets, betont Lukas Stappenbeck, der das Sopransaxophon spielt:

"Wir schaffen es unserer Meinung nach ganz gut, so ein bisschen was Solitisches zu schaffen - aber auch einen orchestralen Klang. Unsere Transkription ist angelegt an die Streicherpartitur. Wir als Saxophonquartett orientieren uns immer klanglich an der großen Gattung des Streichquartetts und arbeiten auch oft mit Streichern zusammen.“

Xenon Saxophone Quartet; © Olivia Droeshaut & Yves Dethier / DYOD
Bild: Olivia Droeshaut & Yves Dethier / DYOD

Übertragen, nicht bearbeitet

Kein Wunder also, dass die Debüt-CD des Quartetts viele Werke beinhaltet, die normalerweise von Geigen, Bratschen oder Celli gespielt werden. Doch es sind keine Bearbeitungen, die Stücke werden nicht umgeschrieben, die Noten nicht verändert: "Das sind Transkriptionen, die wir Stimme für Stimme für unsere Instrumente umgeschrieben haben."

Mozart zum Beispiel. Das Streichquartett, KV 575. Hier loten Lukas Stappenbeck, Anže Rupnik, Álvaro Arias und Benjamin Reichel die schwermütige Seite des Wiener Klassikers aus.

"Beim Saxophon ist das so: Unsere Obertonreihe ist anders aufgespalten als bei Streichern und das heißt, dass bei uns die Dissonanzen anders hervorkommen und wir die kleine, leichte Melancholie, die da drin steckt, von einer anderen Seite beleuchten.“

Opernhaft

Giacomo Puccinis "Crisantemi", ein seltener Ausflug des Opernkomponisten in die Kammermusik, spielen Streichquartette gerne als Zugabe. Der Komponist, der damals am Anfang seiner Karriere stand, soll die "Chrysanthemen" in nur einer Nacht komponiert haben. Trauerblumen aus Tönen für einen verstorbenen Freund. Beim Xenon Saxophone Quartet schimmern Opernmelodien durch.

"Da steckt so viel Gesangliches drin und deswegen können wir bei Puccini die Brücke vom Gesanglichen zum Instrumentalistischen schlagen, denn bei uns entsteht die Luft durch den Atem ähnlich wie bei einer Gesangsstimme.“

Effektvolle Gegenwartsmusik

Das Saxophon ist besonders in der zeitgenössischen Musik zu Hause und das Xenon Saxophone Quartet schätzt den persönlichen Austausch mit befreundeten Komponisten. Dazu zählt der kolumbianische Komponist Daniel Alvarado Bonilla.

"Was uns an seiner Musik gefällt, ist dass er sehr subtil ist in den Klangfarben, die er komponiert. Natürlich auch mit vielen Effekten - mit viel Luft, mit viel Zischen und Schnalzen, aber auch sehr subtil - fast so sieht er sich, auch als Fortführung der impressionistischen Musik, natürlich übersetzt in die moderne Klangsprache, aber nie 'Hau den Lukas'.“

Widmungen

Der Titel des Debütalbums verrät übrigens den roten Faden des Programms. Bei "Dedicated To" handelt es sich um Widmungen.

"Vor allem Widmungen, wo die Widmung das Stück beeinflusst. Das hat nichts mit Programmmusik zu tun, aber wir sehen das als Vorstufe. Zum Beispiel Mozart, der die Quartette dem preußischen König gewidmet hat, hat eine Cellostimme - für uns Bariton Sax - geschrieben. Oder Grieg hat es dem barocken Dichter Holberg gewidmet, sonst hätte er bestimmt keine barocke Suite geschrieben.“

Barbara Overbeck, rbbKultur

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