Sommerlounge - Blick auf Brücke
rbb / Michael Ramm
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So war die 5. rbbKultur Sommer Lounge - Der Soundtrack der Metropole - So was kann nur Berlin!

Die rbbKultur Sommer Lounge an der Oberbaumbrücke feierte am 1. August 2019 ihr fünfjähriges Jubiläum. Zweieinhalb Stunden haben hochkarätige Musiker wie die Flötistin Dorothee Oberlinger und der isländische Shootingstar am Klavier, Víkingur Ólafsson, die schwimmende Bühne vor dem Kreuzberger Watergate Club bespielt.

Vikingur Olafsson bei der Sommer Lounge
Víkingur Ólafsson |Bild: rbb/Michael Ramm

Am Nachmittag heißt es noch: Bangen, ob das Wetter hält, denn bei schlechtem Wetter muss das jährliche Open-Air-Event von rbbKultur in den Club verlegt werden. Dabei ist natürlich klar: So stimmungsvoll wie direkt auf der Spree kann das nicht werden.

Aber der Himmel stellt sich erstmal stur: Als der isländische Pianist Víkingur Ólafsson mit Bachs Orgelsonate Nr. 4 e-Moll beginnt, fallen die ersten Tröpfchen. Sanft und leise – passend zur Musik.

Stimmungsvoll

Die schwimmende Bühne unter Ólafsson scheint im Takt zu schaukeln. Die Sommer Lounge-Gäste sitzen und stehen dicht gedrängt auf der Holz-Terrasse über der Spree.

Auch auf Booten, die die kleine Bühne im Wasser umrahmen, haben sich die Besucher niedergelassen und lauschen den Klavierklängen. Auf der Oberbaumbrücke bleiben die Fußgänger stehen und lehnen sich neugierig über das Geländer – genauso angelockt von der Musik wie Anwohner, die es sich auf ihrem Balkon bequem machen.

Kanufahrer paddeln über die Spree, in der Ferne glänzen die Figuren der Molecule Men auf dem Wasser. Auf der anderen Seite der Oberbaumbrücke zaubert die untergehende Sonne helle Glitzerspitzen aufs Wasser. Wer eine Jacke dabei hat, zieht sie sich über. Warm ist es nicht mehr, aber das macht nichts. Dafür ist das Abendlicht umso stimmungsvoller.

Das Klassikprogramm nimmt Fahrt auf

Als Flötistin Dorothee Oberlinger, begleitet von Violine, Cello und Cembalo, anfängt zu spielen, nimmt das Klassikprogramm an Fahrt auf – während der Wind ihre langen dunklen Haare an der Blockflöte entlangweht, müssen die übrigen Musiker ihre Notenblätter mit Wäscheklammern an die Notenständer klemmen, damit sie nicht ins Wasser gepustet werden.

Und dann reißt der Himmel auf: Plötzlich scheint es ganz so, als ob es die Flötistin ist, die mit ihrem lebhaften virtuosen Spiel den Regen vertreibt.

Musik und Kulisse harmonieren

Und auch stimmlich bekommen die Gäste der Sommer Lounge etwas geboten: Beim Gesang von Countertenor Dmitry Sinkovsky gehen die Blicke verzückt über die Spree. Zwar kreist zwischendurch ein Hubschrauber über Kreuzberg, auf der Oberbaumbrücke rattern die S-Bahnen und ein Martinshorn heult, aber all das kann das Konzerterlebnis nicht trüben: Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf die schwimmende Bühne, die wie eine kreative Insel inmitten der Großstadt wirkt.

Musik und Kulisse harmonieren bestens. So etwas kann nur Berlin! 

Sinnliche Klänge und der Soundtrack der Metropole

Gerade der Kontrast zwischen den sinnlichen Klängen und dem Soundtrack der Metropole macht die Sommer Lounge zu einem Ereignis.

Die Talente an den Instrumenten tun ihr Übriges: Der österreichische Cellist Kian Soltani und sein Landsmann Aaron Pilsan am Klavier begeistern ihr Publikum ebenso wie Saxophonistin Asya Fateyeva und Roman Yusipey am Akkordeon.

Das Wetter hat gehalten. Nach zweieinhalb Stunden erstklassiger Musik ist wohl auch der Himmel endgültig überzeugt: Dort sind nur noch rosa Wölkchen zu sehen …

Silke Mehring, rbbKultur

Sommerlounge - Violine
Bild: rbb / Michael Ramm