Schornsteine Alte Münze, Berlin © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB
Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB

Alte Münze, Berlin - Berlin bekommt ein Zentrum für Jazz und improvisierte Musik

Vor drei Jahren erhitzte das Thema die Jazz-Gemüter Berlins. Dann ließ das öffentliche Interesse nach, aber die Beteiligten haben ungemindert für die Umsetzung ihrer Idee gekämpft, gestritten, Argumente ausgetauscht, Verbündete gesucht.

Klaus Lederer; © Gregor Baron
Bild: Gregor Baron

Nun hat die Politik, namentlich der Berliner Kultursenator, Klaus Lederer, entschieden: Die Alte Münze in Berlins Mitte wird als Kultur- und Kreativstandort gesichert und entwickelt.

Den Anstoß zur Debatte gab 2016 der Jazztrompeter Till Brönner mit seiner Idee eines "House of Jazz", für dessen Realisierung er zunächst Befürworter auf bundespolitischem Parkett fand, allerdings auf Kritik aus der Berliner Jazzszene stieß. Brönner wollte in Berlin eine Jazz-Institution etablieren nach dem Vorbild des von Wynton Marsalis geleiteten Lincoln Center in New York, dessen  Kern eine festbesoldete Big Band sein sollte. In diesen Plänen fanden sich die aktiven Musikerinnen und Musiker der Berliner Szene nicht wieder. In der Folge gab es Gespräche, Diskussionen, Konfrontationen und schließlich Verständigung und Annäherung. Letztlich ging es allen um Eines: Die Strahlkraft der Berliner Jazzszene sollte noch größer werden.

Till Brönner © Gregor Baron
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Ein Haus für die Musik des 21. Jahrhunderts

Für diesen Annäherungsprozess brauchte es knapp drei Jahre, bis Ende 2019 von der Deutschen Jazzunion, der IG Jazz Berlin und Till Brönner ein gemeinsames Konzept für ein "Zentrum für Jazz und improvisierte Musik" vorgelegt werden konnte, nachdem es zuvor eine Zeitlang "Haus der Musik des 21. Jahrhunderts" heißen sollte. Aber konzeptionell soll es genau das werden: Ein Haus, in dem die Musik des 21. Jahrhunderts ihren Platz findet. Ausgehend vom Jazz, der seinerseits - quasi per Definition - offen ist für Einflüsse aus der Neuen oder Alten Musik, der Elektronik, der Echtzeitmusik, aber auch immer wieder Allianzen eingeht mit anderen Kunstgenres wie Tanz, Theater, Literatur oder Darstellende Kunst.

Jazz ohne kommerziellen Druck

Im geplanten Zentrum soll es Säle verschiedener Größe geben, in denen z.B. auch Konzerte mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern stattfinden können, für die das A-Trane zu klein und die Philharmonie zu groß sind. Es soll ein großes, in seiner Besetzung flexibles Ensemble geben, das jeweils für zwei Jahre unter der Leitung einer Musikerin oder eines Musikers nach dem Vorbild des französischen Orchestre National de Jazz ohne kommerziellen Druck künstlerische Konzepte umsetzt. Es sind Räume geplant für Workshops, die auch eine Zusammenarbeit mit dem Jazz Institut Berlin oder anderen internationalen Musikinstitutionen ermöglichen. Proberäume sind vorgesehen, Gästewohnungen für auswärtige Künstlerinnen und Künstler. Ein Aufnahmestudio, ein Café, Ausstellungsräume und anderes mehr.

Freiräume für Experimente

All das wird noch Jahre der Umsetzung brauchen. Zunächst muss das für die Pläne vorgesehene Haus 4 der Alten Münze baulich dafür vorbereitet werden, ehe die Strukturen geschaffen werden, die es braucht, um das Haus mit Leben zu füllen.

Es war von vornherein klar, dass es keine politische Entscheidung geben kann, die alle zufriedenstellen wird, die sich an der partizipativen Ausschreibung beteiligt haben. Von den drei eingereichten Konzepten konnte nur eins den Zuschlag bekommen. Es war jenes, das am ausgereiftesten war und von vornherein die Intention verfolgte, die unterschiedlichsten Interessen zu berücksichtigen. Insofern gibt es im Grunde keine Verlierer. Die für die Attraktivität des Jazz und der improvisierten Musik extrem wichtigen dezentralen Strukturen der Szene werden nicht beeinträchtigt. Sie sind und bleiben wichtig für die Lebendigkeit aktueller Musik. Auch unter dem Aspekt von Freiräumen für Experimente.

Ein "Zentrum für Jazz und improvisierte Musik in der Alten Münze" wird indes die Strahlkraft Berlins als kulturelles Kreativzentrum Europas spürbar vergrößern.

Ulf Drechsel, rbbKultur

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