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450 Jahre Staatskapelle Berlin - Schwere Jungs haben das Orchester im Griff

Endlich wieder auftreten – die Staatskapelle Berlin feiert ihr Jubiläum derzeit mit einer Reihe von Konzerten. Immer mit dabei: die Herren am Kontrabass. Steffen Prell hat sie besucht.

Ein konspiratives Treffen von schweren Jungs. Hier versammelt sich die Kontrabassgruppe der Staatskapelle, und die hat Einiges vor. Mit so viel Klangfülle ist man der heimliche Chef im Ring.

Alf Moser, Kontrabassist Staatskapelle: "Man kann sehr viel agieren im Untergrund. Man tritt zwar nicht so in Erscheinung, also man ist nicht in erster Front und kriegt Applaus für Soli, die man abliefert. Aber man hat den ganzen Laden irgendwo mit in der Hand."

Christoph Anacker, Kontrabassist Staatskapelle: "Dieses Theaterstück von Patrick Süskind, da gibt es ja diese ein bisschen lustige Geschichte von dem Kontrabassisten, der in die Sopranistin verliebt ist und heimlich aus dem Orchestergraben immer hochschaut. Und wir haben jetzt die Gelegenheit, mit so einer Sopranistin zusammen zu spielen, da können Sie sich vorstellen, was das für eine Freude ist."

Brasilianische Lieder führen die Kontrabassisten zum Staatskapellengeburtstag auf. Tänzerisch, sentimental, virtuos – die schweren Jungs können musikalisch fast alles.

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driene Queiroz, Sopranistin: "Die sind so locker, fantastisch, die spielen fantastisch - ist doch kein Problem!"

450 Jahre Staatskapelle – ein hochgelobtes Orchester, für immer in den besten Jahren. Ein samtig-dunkler Klang, der manchmal buchstäblich vererbt wird. Auch Alf Mosers Vater spielte Kontrabass in der Staatskapelle, Christoph Anackers Vater Violine. So wächst man heran.

Christoph Anacker: "Es gibt die Oper 'Hänsel und Gretel'. Ich erinnere mich noch, als ob’s noch gar nicht lange her ist, da auf der rechten Seite von der Bühne, da war immer der Ofen, da war ich ganz beeindruckt. Da wurde irgendwann die Hexe reingeschubst und verbrannt. Da war ich schwerst beeindruckt."

Die 450 Jahre sind allerdings mit kleinen Unterbrechungen. Der alte Fritz zum Beispiel gründete die Staatskapelle wieder, nachdem sein Vater sie aufgelöst hatte. Und ein schickes Opernhaus spendierte er auch noch. Eine Ausstellung ist in Vorbereitung – in der Orchestergeschichte spiegelt sich manchmal auch Weltgeschichte. Alf Moser begann noch zu DDR-Zeiten seine Laufbahn bei der Staatskapelle, im Schicksalsjahr 1989.

Alf Moser: "Ich erinnere mich noch sehr gut an den 7. Oktober zum Beispiel, als wir ein Gastspiel hatten in Paris und hier in Berlin die Leute demonstriert haben und der Kulturattaché damals mit uns auf den 40. Jahrestag der DDR anstoßen wollte - und keiner von den Kollegen klatschte mit ihm. Er war also ganz allein, und das war 'ne sehr peinliche Aktion. Wir waren natürlich alle in großer Sorge, was hier in Berlin passiert."

Aber für Schlüsselmomente muss man nicht weit zurückblicken. "Staatsoper für alle" vor einer Woche, in Coronazeiten. Beethovens oft bemühte Neunte – wie ein Befreiungsschlag.

Christoph Anacker: "Wir hatten ja jetzt wirklich eine lange Durststrecke seit März – und durften nicht spielen. In diese Stimmung auf dem Bebelplatz mit 2.000 Zuhörern ein Stück mit Chor, was ja überhaupt nicht selbstverständlich ist in diesen Zeiten, das, fand ich, war ein großartiger Moment."

Apropos Corona - nur 380 von 1.400 Plätzen können im Moment in der Staatsoper besetzt werden. Was sagt der Chef dazu? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Matthias Schulz, Intendant Staatsoper Berlin: "Wir hoffen relativ bald, dass positive Erfahrungen dazu führen, dass wir den Raum noch weiter füllen können, dass wir einen Schritt weiter gehen können. Wir von unserer Seite tun alles dafür, in Sachen Personalisierung, Hygieneplan und so weiter, dass das auch klappt. Und für uns ist das auch sehr, sehr wichtig. Natürlich braucht die Oper die Dichte auf der Bühne aber sie braucht auch die Dichte im Publikum."

Immerhin – auch wenn alles anders ist. Sie spielen wieder, dunkel-samtig – wie eh und je. Übrigens: was aus der Liebe der Kontrabassisten zur Sopranistin wurde, haben wir nicht erfahren. Rein platonisch, vermutlich.

Hörtipps

"450 Years Staatskapelle Berlin" Cover © Dt. Grammophon, Montage: rbb
Deutsche Grammophon, Montage: rbb

CD-Sonderedition - 450 Jahre Staatskapelle Berlin

Im Jahr 1570 wird die Berliner Hofkantorei, die Vorläuferin der Berliner Staatskapelle, zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Seit mindestens 450 Jahren gibt es dieses weltberühmte Orchester also nun schon, und natürlich feiert die Staatskapelle dieses Jubiläum auch gebührend. Ein schöner Anlass für das Label "Deutsche Grammophon", die Geschichte der Staatskapelle mit einer 15 CDs umfassenden Box zu feiern.