Musikfest Berlin 2020: Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim in der hygienisch besetzten Philharmonie; © Monika Karczmarczyk
Bild: Monika Karczmarczyk

Vom königlichen Eliteensemble zur Staatsoper für alle - Staatskapelle Berlin feiert 450 Jahre Geschichte

Mit einer Festwoche im September, verschiedenen Aufführungen und einer CD-Sonderausgabe feiert die Staatskapelle Berlin in diesem Jahr ihr 450-jähriges Jubiläum. Dirigenten wie Mendelssohn, Wagner, Richard Strauß, Furtwängler und Karajan bis zum heutigen Chef, Daniel Barenboim, haben das Orchester geprägt. Eine kleine Geschichte.

In ihrer viereinhalb Jahrhunderte langen Geschichte hat sich die Staatskapelle Berlin mehrfach durch und durch gewandelt und sich dabei immer eine außerordentliche Qualität bewahrt. Am Anfang war sie ein Eliteensemble für Fürsten, Könige und Kaiser. Diesen Glanz bot sie dann auch dem bürgerlichen Publikum, heute ist der Slogan "Staatsoper für alle" Versprechen und Verpflichtung.

Aufschwung unter Friedrich dem Großen

Ziemlich genau hundert Jahre hat es gedauert, bis die Musiker der Berliner Hofkapelle ihren ersten Opern-Auftritt hatten. Vorher waren sie für Bälle, repräsentative Hofkonzerte oder auch für Militärmusik im Einsatz. Einen echten Aufschwung erlebt die Kapelle durch Friedrich den Großen, der erst in Ruppin und Rheinsberg, dann in Berlin und Potsdam die wichtigsten Musiker seiner Zeit um sich versammelt. Er lässt das Opernhaus unter den Linden bauen und gibt den Musikern eine neue Wirkungsstätte. Von da an entwickelte sich die Hofkapelle zu einem europäisch bedeutenden Konzert- und Opernorchester.

Im 19. Jahrhundert durchleidet das Orchester erst eine Krise durch die Napoleonischen Kriege, aber entwickelt sich dann umso prächtiger. Spontini, Mendelssohn, Wagner und Richard Strauß sind die Dirigenten, die das klassische und romantische Repertoire aufbauen und pflegen. Auch der Brand des Opernhauses unter den Linden 1843 kann das Orchester nicht aufhalten. Nach dem Ersten Weltkrieg übernimmt Preußen die Geschäfte und tauft es Staatskapelle Berlin. Wieder ist Aufbauarbeit zu leisten - unter anderem durch Wilhelm Furtwängler - die in modernen Spielplänen unter der Leitung von Otto Klemperer gipfelt.

Seit 1991 unter Leitung von Daniel Barenboim

Unter den Nationalsozialisten werden die jüdischen Musiker entlassen und ins Exil getrieben. Die Staatskapelle wird künstlerisch vor allem durch Herbert von Karajan geprägt. Nach dem Krieg wird das Orchester zum Aushängeschild der DDR. Reisen nach Paris und Moskau zeugen von dem internationalen Format. Nicht jeder Dirigent ist mit den Vorgaben der Staatsführung glücklich. So quittiert Erich Kleiber seinen Dienst im Streit. Die Berliner Mauer macht es den Westberliner Musikern unmöglich, weiter im Orchester zu spielen.

Für Konsolidierung sorgt der langjährige Chefdirigent Otmar Suitner bis zur Wende. 1991 übernimmt Daniel Barenboim die Leitung. Mit ihm gewinnt die Staatskapelle neue Stärke. Von Beethoven bis Carter wird das Repertoire neu aufgestellt und erweitert. Festtage und Open-Air-Veranstaltungen sprechen neues Publikum an. Dabei behält die Staatskapelle ihren so typischen, über die Jahrhunderte edel gereiften runden und vollen Klang. Und mit seinen vielen Aktivitäten war das Orchester nie lebendiger als heute.

Das könnte Sie auch interessieren