Alison Balsom: Royal Fireworks; Montage: rbbKultur
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CD DER WOCHE | 02.12. – 08.12.2019 - Alison Balsom: "Royal Fireworks"

Alle Jahre wieder ... kommen neue Weihnachts-CDs auf den Markt. Manche Musiker sind daran sogar fast jedes Jahr beteiligt, zumindest wenn sie so gut Trompete spielen wie Alison Balsom. Ihre neue Weihnachts-CD heißt "Royal Fireworks" – unsere CD der Woche, mit Händels "Feuerwerksmusik" im Mittelpunkt.

Seine Feuerwerksmusik hat Georg Friedrich Händel ursprünglich für ein riesiges Freiluftorchester komponiert, aufgeführt mit Hunderten von Musikern. Alison Balsom spielt diese Musik jetzt mit einem vergleichsweise kleinen Ensemble, aber mit der gleichen Kraft, sagt sie: "Wir haben doch auch eine ganze Menge Instrumente, Streicher, eine Orgel, Pauken und sechs Trompeten. Dieses Album aufzunehmen, das war einer der schönsten Momente in meinem musikalischen Leben."

Neuer Look

Im Gespräch mit der Trompeterin spürt man immer wieder ihre Begeisterung für dieses Album. Drei Jahre hat sie daran gearbeitet und sich in dieser Zeit auch äußerlich verwandelt. Das zeigt auch das Cover ihrer CD, mit einem einfachen Porträt der Musikerin, aufgenommen in Schwarz-Weiss. Früher hat man die Trompeterin wahlweise als verführerischen Vamp oder als wunderschönen Weihnachtsengel inszeniert. Diese Zeiten sind vorbei: "Beim Foto wollte ich ein wirklich starkes Bild haben. Plattenfirmen denken ja immer gern in Schubladen – ich wollte diesmal etwas anderes."

Neuer Bach

Die künstlerische Verwandlung der Trompeterin zeigt sich vor allem im musikalischen Vergleich: Im Jahr 2017 hörte sich Bachs Choral "Jesu bleibet meine Freude" bei ihr noch an, wie das, was auf dem Weihnachtsmarkt aus den Lautsprechern dudelt – austauschbar und kaum zu unterscheiden von anderen Versionen. Auf dem neuen Album dagegen spielen die Streicher die erste Hälfte des Themas, dann lässt Alison Balsom dazu einen Chor aus Trompeten erstrahlen – was für ein Unterschied in der Wirkung!

Naturtrompete

Auch in den Arien und Chören aus Bachs Weihnachtsoratorium, die sie zu einer kleinen Suite zusammengestellt hat, findet Alison Balsom mit ihrem Ton einen direkten Weg in das Herz der Zuhörer. Und dieser Ton ist neu! Denn zum ersten Mal spielt die 40 Jahre alte Musikerin auf einem Album durchgängig eine Naturtrompete – ohne Ventile und ganz und gar anders in Klang und Ausdruck:

"Die Naturtrompete ist vergleichsweise leise. Wie eine Geige oder Oboe. Und sie hat diese gesangliche Qualität, anders als eine moderne Trompete, die sich immer nur ausbreiten will. Aber das ist wirklich schwer zu beschreiben. Sie klingt jedenfalls ganz anders als eine moderne Ventiltrompete."

Alison Balsom; © Hugh Carswell/EMI Classics
Bild: Hugh Carswell/EMI Classics

Harte Arbeit

Der Höhepunkt des Albums gelingt Alison Balsom beim "Adagio" aus Telemans Trompetenkonzert in D-Dur. Zu dieser Aufnahme wurde auch ein Video gedreht. Man sieht dort, wie Balsom am Ende des knapp zwei Minuten dauernden Satzes sichtlich erschöpft innehält. Die Naturtrompete liefert zwar einen besonderen Klang, fordert aber auch höchsten körperlichen Einsatz: "Das ist wirklich harte Arbeit, diesen Satz zu spielen. Aber das Stück verdient diese Anstrengung. Die Töne auf der Naturtrompete nur mit den Lippen zu formen, das klingt einfach wunderschön."

Zukunftsmusik

Das Ende des Album gehört dann Henry Purcell, der genau ein Jahr vor seinem eigenen Tod noch die Musik zum Begräbnis von Queen Mary II. im Jahr 1694 komponiert hat. Alison Balsom hat zu dieser Musik ein besonderes Verhältnis: "Ich liebe Purcells 'Funeral Sentences'. Man glaubt kaum, dass er das vor rund 300 Jahren geschrieben hat. Man muss mit dem Begriff ja vorsichtig umgehen, aber er war wirklich ein Genie!"

Ob bei Purcell oder Bach, Händel oder Telemann – die gesangliche Qualität ihres Spiels auf der Naturtrompete ist das Erlebnis dieser Weihnachts-CD. Bei ihrer Tournee wird Alison Balsom das komplette Programm des Albums auf der Bühne auch auf diesem Instrument spielen. Und danach in Ruhe entscheiden, mit welcher Art von Trompete es für sie weitergeht: "Dieses Album war wirklich ein großer Schritt für mich. Aber ich weiß noch nicht, wie das Publikum das alles aufnimmt. Vielleicht gibt es neue Perspektiven für mich – ich bin wirklich gespannt."

Hans Ackermann, rbbKultur