Anne-Sophie Mutter & John Williams: Across the Stars © Deutsche Grammophon
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CD DER WOCHE | 23.09. – 29.09.2019 - Anne-Sophie Mutter & John Williams: "Across the Stars"

Die Geigerin Anne-Sophie Mutter sei eine Frau, der man keinen Wunsch abschlage, sagt Hollywoods Filmkomponist Nr. 1, John Williams. Und so hat er ihr ein Dutzend seiner Filmmusiken arrangiert – für Solovioline und großes Filmorchester.

Der farbige Kino-Sound, Williams' Markenzeichen, bleibt also erhalten wie man ihn aus Filmen wie "Harry Potter", "Dracula" und den Filmen der "Star Wars"-Reihe kennt. Neu ist der Glanz einer Geigenvirtuosin, der Williams die Stücke auf den Leib geschneidert hat.

Fasziniert von "Star Wars"

Ende der 70er Jahre habe "Star Wars" sie einfach umgehauen, bekennt die Geigerin. Und so habe sie dem Komponisten John Williams von ihrer Bewunderung für seine Filmmusiken erzählt. Williams arbeitete an einem Violinkonzert für sie. Doch sie wünschte sich noch mehr: Versionen seiner Filmthemen für Solovioline und Orchester.

Anne-Sophie Mutter bewundert an John Williams seine Fähigkeit, starke Leitmotive in seinen Partituren zu verankern. Durch sie habe jeder Filmcharakter ein Motiv hat, "an dem man ihn nicht nur erkennt, sondern das auch seinem Charakter entspricht." 

Upcycling

John Williams hat seine Themen aus 40 Jahren Filmgeschichte noch einmal in die Hand genommen und für Anne-Sophie Mutter zu kleinen konzertanten Stücken bearbeitet. Einzig das Titelthema aus "Schindlers Liste" war von vornherein für Solovioline gedacht.

Die Filmszenen denke sie beim Spielen aber nicht mit, denn "John Williams' Musik untermalt nicht etwas, sondern steht wirklich ganz eigenständig als symphonische Dichtung."
 
Obwohl er für das Album alte Filmthemen recycelt hat, versteht John Williams die meisten Stücke auf dem Album als Neukompositionen. Denn er hat sie für die Geige nicht nur in andere Tonhöhen verschoben und an den Orchesterfarben retuschiert, sondern hat sie zu kleinen Violinkonzerten umgeschrieben – wie die Duell-Szene aus "Die Abenteuer von Tim und Struppi".

Andere Welten

Das Programm des Albums empfindet Anne-Sophie Mutter wie einen Konzertabend mit immer neuen musikalischen Reizen. John Williams könne, so sagt sie, seine Hörer in kürzester Zeit in immer wieder andere Stimmungen und Welten versetzen.

Anne-Sophie Mutter möchte mit diesem neuen Album übrigens auch ein Publikum erreichen, das von den Ausdrucksmöglichkeiten der Geige bislang nichts ahnt und das ihren Beethoven, Brahms oder Mozart vielleicht noch nicht kennt. "Filmmusik ist für mich auch klassische Musik! Klassisch, nicht klassisch – völlig wurscht."

Christian Schruff, rbbKultur