Daniel Hope belle epoque © Deutsche Grammophon
Bild: Deutsche Grammophon

CD DER WOCHE | 24.02. – 02.03.2020 - Daniel Hope: "Belle Époque"

Belle Epoque das ist Sonnenlicht auf Kieswegen, das sind Fächer und Rüschen, Mieder und Kragen und das ist natürlich auch die illustre Gesellschaft im französischen Salon. Und wie steht es um die Musik? Der Geiger Daniel Hope widmet sich dem Musik-Repertoire der Belle Époque.

Eine Zeitreise

Zuletzt gelang eine Zeitreise in die Belle Époque im Film "Midnight in Paris", eine Zeitreise per Kutsche. Daniel Hope hätte gern drin gesessen und die Salons von Gertrude Stein und Marcel Proust besucht. Eine sagenhafte Atmosphäre muss geherrscht haben damals, schwärmt der Geiger, der ohnehin ein Faible für diese Epoche hat und auch Sammler von Kunstgegenständen der Zeit ist. Nun also die Musik. Daniel Hope hat ein Konzeptalbum geschaffenen, das einer ausgeklügelte Dramaturgie unterliegt.

Mit besten Freunden auf zwei CDs

Für sein CD-Projekt hat sich Daniel Hope verschiedene beste Musikerfreunde eingeladen. Die Pianistin Lise de la Salle ist dabei oder der Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker Stefan Dohr. Daniel Hope nennt ihn den besten Hornisten der Welt. Die Aufnahmen zur CD beschreibt der Geiger als aufreibend. Extreme Emotionen wären hochgekommen, erzählt er. Emotionen, die der Musik geschuldet seien. Als Mojca Erdmann "Morgen" von Richard Strauss sang, hätten alle fast gezittert. Das war schon ganz am Schluss der Aufnahmen, als alle mit den Nerven runter waren. Und dann? Wurde es einfach nur wunderschön.

Das zentrale Stück der ersten CD ist Ernest Chaussons Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett. In dem Werk findet Daniel Hope alles vereint, was die Belle Époque ausmacht. Den Wunsch stehen zu bleiben in einer hochromantischen Zeit und den gleichzeitigen Drang vorwärts zu gehen, vorwärts auch in der Tonalität.

Chausson ist sehr früh gestorben und hat leider keine Orchestrierung seines Werkes hinterlassen. Auf der CD aber spielt das Zürcher Kammerorchester mit. Ein Wagnis? Daniel Hope meint, dass sich Chausson so eine Fassung vielleicht sogar gewünscht hätte. Viele Stellen indes wären kammermusikalisch klein geblieben, nur mit Solo Quartett.  Es gäbe nichts Schöneres, da war nichts zu verbessern.

Die zweite CD des Doppel-Albums ist klein besetzt. Gemeinsam mit dem kongenialen Pianisten Simon Crawford-Phillips durchwandert Daniel Hope hier die Belle Époque Jahr für Jahr. Salonmusik des jungen Rachmaninov erklingt neben z. B. Kreisler, Debussy, Ravel, Faure und Alban Berg.

Ein Bogen bis zum Schluss

Das Doppelalbum ist emotional herausfordernd und hält den Spannungsbogen bis zum Schluss. Daniel Hope ist kein Nostalgiker. In der Belle Époque sieht er auch das Voranschreiten in Richtung erster Weltkrieg, in Richtung Titanic, den Wahnsinn der Industrialisierung. In der Konzeption seines Albums spiegelt sich das wider. Die Schlussklänge der CD gehören Anton Webern. Die Belle Époche zerfällt. Und sie war auch nie nur schön und gut.

Ulrike Jährling, rbbKultur

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