Felix & Fanny Mendelssohn: Werke für Cello und Klavier, mit Johannes Moser und Alsdair Beatson; Montage: rbb
Bild: Pentatone

CD DER WOCHE | 04.11. – 10.11.2019 - Felix & Fanny Mendelssohn: Werke für Cello und Klavier

Auf ihrer aktuellen CD porträtieren Cellist Johannes Moser und Pianist Alasdair Beatson die Beziehung der Mendelssohn-Geschwister. Dabei kommt es zu einem spannenden Kulturclash: die modernen Cello-Saiten von Johannes Moser treffen auf einen historischen Hammerflügel.

Bei der Suche nach einem geeigneten Partner und Pianisten für sein besonderes CD-Projekt stieß Cellist Johannes Moser auf den ihm bis dahin unbekannten Alasdair Beatson. Es kam zu einem Blinddate in der Werkstatt des Klavier-Restaurators. Musikalisch funkte es direkt. Ja, so könnte es geklungen haben, beim sonntäglichen Hauskonzert der Mendelssohns!

Der Hammerflügel mit dem Baujahr 1837 sorgte bei den Aufnahmen für zum Teil bizarre Situationen, erzählt Johannes Moser. Nämlich dass immer wieder abgebrochen und gesagt wurde: "'Das Cello ist zu laut!' "Das passiert einem mit einem Steinway-Flügel nie. Einfach weil es ein Riesen-Apparat ist, der sich über die Jahrhunderte ja auch vom Hammerflügel zu dem schwarzen Ungetüm entwickelt hat, was es heute ist. Und insofern hatten wir einfach von Haus aus eine ganz andere Balance zwischen uns."

Eine Betriebsanleitung

Die Art und Weise, wie Klänge auf dem Hammerflügel nach dem Anschlag verschwimmen und wie sich Noten miteinander verbinden wären wie eine Art Betriebsanleitung, sagt Johannes Moser. Eine Betriebsanleitung, wie man Mendelssohn zu spielen habe:

"Da muss man gar nicht viel erklären und irgendwie versuchen in Dokumenten zu suchen, sondern man muss einfach zuhören, wie dieser Flügel klingt. Und das überträgt sich dann ganz automatisch und osmotisch auf das Musizieren."

Fanny Mendelssohn ist leider nur mit zwei Werken auf der CD vertreten. Für die Besetzung Cello/Klavier hat sie nicht mehr hinterlassen. Zu gern hätte Johannes Moser eine gleichberechtigte Auswahl bei der Musik der Geschwister getroffen. Als unsichtbarer Dritter ist der Bruder Paul Mendelssohn mit im Bunde. Er war Bankier und Amateur-Cellist und Johannes Moser meint, dass in den Kompositionen durchaus brüderliche Neckereien stecken.

Felix schrieb Paul jede Menge Fingerakrobatik in die Noten. Quasi für den Feierabend. Besonders die konzertanten Variationen haben es in sich. Hier steckt der Teufel im Detail. Auch zwei größere Cellosonaten und zwei typisch romantische Charakterstücke gibt es. Kleinode, Meisterwerke ihrer Zeit.

Auf der Suche nach Farben

Bestechend ist die Technik von Alasdair Beatson am Hammerflügel. Dessen schwebender Klang ist ohnehin die Besonderheit dieser CD. In den langsamen Passagen hat die Musik etwas Traumwandlerisches. Da sind mehr als nur die angeschlagenen Töne, wie verschleiert schwingt zuweilen etwas Orchestrales mit.

Johannes Moser: "Und oftmals bin ich eben von Alasdair dazu angehalten worden, mehr in den subtilen Farben zu suchen, als eben mit der üblichen Attacke, mit der ich sozusagen meine Cello-Konzerte angehe,  an diese Musik heranzugehen. Und insofern war es eigentlich immer wieder ein Thema: Wie können wir in den leiseren Schattierungen Farben finden, die zu dieser Musik passen?"

Ulrike Jährling, rbbKultur