Mozart : Hornkonzerte 1-4 © Berlin Classics
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CD DER WOCHE | 23.12. – 30.12.2019 - Mozart: Hornkonzerte 1-4

Die Hornkonzerte hat Mozart innerhalb von zehn Jahren für den Hornisten Joseph Leutgeb geschrieben. Auf seiner neuen CD mit der Camerata Salzburg lässt Felix Klieser die Vielfalt von Mozarts Hornkonzerten neu erklingen. Eine lohnende Entdeckungsreise?

"Fußnoten – Ein Hornist ohne Arme erobert die Welt", so lautet der Titel der Autobiografie, die der Hornist Felix Klieser 2014 vorlegte. Sein Instrument spielt er, der 1991 ohne Arme zur Welt kam, virtuos und mit größter Selbstverständlichkeit: mit dem Fuß. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Felix Klieser ein Ausnahmetalent. Mit fünf Jahren begann er mit dem Hornspielen, mit 13 wurde er Jungstudent an der Musikhochschule in Hannover, und mit 25 hatte er bereits einige Preise in der Tasche, darunter den Leonard Bernstein Award.

Soeben hat Felix Klieser seine bereits vierte CD vorgelegt: Die vier Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart, eingespielt mit der Camerata Salzburg, erschienen im Label Berlin Classics.

Das Horn singt melancholische Arien

Wie heiter und zugleich tief berührend Mozart sein kann, das wird gleich im ersten Stück auf der CD deutlich, dem 4. Hornkonzert, vor allem in den Hornsoli.

Das Orchester spielt beschwingte Jagdszenen; als klassisches Jagdinstrument tritt dann das Horn in den Vordergrund, aber es schmettert nicht, sondern - ja: "singt" melancholische Arien.

Für Mozart braucht es Lebenserfahrung und Reife

Der Hornist Felix Klieser hat Mozarts Hornkonzerte bereits im Alter von 9 Jahren kennengelernt und hatte immer den Wunsch, sie eines Tages selbst zu spielen. Zwar hat er sie inzwischen mehrfach im Konzert aufgeführt, doch mit der Aufnahme hat er bis jetzt gewartet, das heißt 18 Jahre lang. Er ist überzeugt:

"Für die Mozart-Konzerte braucht man Reife und eine gewisse Erfahrung. Ich bin auch davon überzeugt, dass man die Konzerte viel gespielt haben muss, mit vielen Orchestern und vielen Dirigenten, um alles in dieser Musik, die sehr vielschichtig ist, zu verstehen."

Mozarts Musik, so Klieser, sei sehr komplex, mit vielen emotionalen Schichten auf kleinem Raum. Von "himmelhoch jauchzend" bis "zu Tode betrübt" liege manchmal nur ein halber Takt.

Mozart und der Hornist Joseph Leutgeb

Die Hornkonzerte hatte Mozart innerhalb von zehn Jahren für seinen Freund, den Hornisten Joseph Leutgeb geschrieben. Mit ihm erlaubte sich Mozart, der gern herumalberte, so einige Späße, bis hin zum  Spott.     

"Leutgeb war einer der großen Hornisten seiner Zeit", erzählt Felix Klieser.

"Und dieser Leutgeb war es, der unbedingt immer wieder wollte, dass Mozart Hornkonzerte für ihn schreibt. Das waren reine Freundschaftsdienste, was man auch daran erkennt, dass der Umgang zwischen Mozart und Leutgeb sehr rabiat war. Es gibt diverse Notizen in den Noten, da wird Leutgeb als "Sauschwanz" beschimpft, als "imfames Schwein", also wirklich sehr rabiat, was zeigt, dass die Verbindung zwischen den beiden sehr vertraut gewesen sein muss."

Eine Musik voll Witz und Ironie

Keckheit und Ironie - auch musikalisch finden sich diese Züge bei Mozart in den Hornkonzerten. Da es zu Leutgebs Lebzeiten noch keine modernen Ventilhörner, sondern nur Naturhörner gab, auf denen nicht alle Töne spielbar waren, und Mozart sich einen Spaß mit Leutgeb erlauben wollte, baute er Passagen ein, die besonders schwer bis fast unmöglich zu spielen waren. Er soll sich köstlich darüber amüsiert haben, dass „Leutgeb sich da einen abgebrochen hat“. Sagt Felix Klieser: "Im dritten Satz von KV 417 gibt es eine Moll-Passage, wo das besonders zutrifft. Da hat Mozart die ersten Geigen ein Lachen imitieren lassen. D.h. die Geigen lachenden Hornisten Leutgeb aus. Mozart hatte daran eine diebische Freude."

Felix Klieser spielt facettenreich: von keck und schlagfertig bis erhaben

Felix Klieser schafft es in der Aufnahme, sein Horn mit dem nötigen Witz, manchmal mit fast grobschlächtiger Schlagfertigkeit zu blasen und trotzdem, dort, wo es angebracht ist, ernst, ja erhaben zu spielen. Dabei macht es einem das Horn als Instrument nicht immer leicht. Findet Felix Klieser.

"Es gibt sehr virtuose Instrumente, beispielsweise die Trompete, ist schon ein Instrument, welches sehr virtuos sein kann, welches sehr kapriziöse Dinge spielen kann; das ist eigentlich nicht die Stärke des Horns. Die liegt vielmehr darin, mit Klangfarben unterschiedliche Dinge auszudrücken. Man kann ein piano so piano spielen, dass es total niedlich und süß klingt, man kann ein piano so spielen, dass einem ein kalter Schauer vor Angst über den Rücken läuft, und diese Unterschiede kann man eben mit Klangfarben steuern, und ich glaube das ist die besondere Stärke des Horns, und auch für mich die große Herausforderung, dieses Instrument zu spielen."

Im letzten Hornkonzert spielt sich alles innerhalb nur einer Oktave ab

Noch eine Herausforderung meistert Felix Klieser: der Tonumfang des letzten Hornkonzerts umfasst nur eine Oktave. Das liegt daran, dass Leutgeb zu der Zeit nicht mehr die nötige Muskelkraft (und möglicherweise auch nicht mehr genügend Zähne) hatte, um auf dem Naturhorn größere Intervalle zu spielen. Denn die Muskelkraft der Lippen ist beim Horn entscheidend, vor allem um hohe Töne zu spielen. Klieser gelingt es, alles aus dieser Oktave herauszuholen und diesen kleinen Tonumfang facettenreich zu gestalten.

Eine gelungene CD

Gemeinsam mit der Camerata Salzburg hat Felix Klieser eine CD eingespielt, die die Vielfalt, den schnoddrigen Witz, aber auch die Melancholie und die Tiefe von Mozarts Hornkonzerten neu entdecken lässt.

Antje Bonhage, rbbKultur