Lea Birringer: Di tanti palpiti © Rubicon
Bild: Rubicon

CD DER WOCHE | 25.11. – 01.12.2019 - Lea Birringer: "Di tanti palpiti"

Die Schwestern Lea und Esther Birringer spielen seit Jahrzehnten zusammen – Geige und Klavier. Zwei Alben haben sie schon eingespielt. Jetzt hat Lea Birringer ihr Solo-Debüt-Album vorgelegt. "Di tanti palpiti" heißt es und enthält sehr viele virtuose Stücke.

Der Albumtitel ist eine Anspielung auf ein Stück von Paganini, dem Teufelsgeiger. Seine I Palpiti-Variationen lassen die Herzen der Interpreten rasen vor Angst: Sie sind spieltechnisch extrem anspruchsvoll. Bei Lea Birringer hört man keine Angst – nur große Souveränität und Lockerheit. Obwohl sie höchste Geigentöne spielt, Doppel- und Mehrfachgriffe und schwindelerregende Läufe, die unvermittelt vom Streichen ins Zupfen wechseln, klingt bei ihr alles elegant und musikalisch fein, nie eitel oder aufdringlich. Und das bei durchweg allen virtuosen Stücken auf dem Album. Beeindruckend.

Altbekannte Bravour-Stücke in neuem Glanz

Auf diesem Album hat Lea Birringer ihre Lieblings-Bravour-Stücke versammelt. Die Carmen-Fantasie von Franz Waxman zum Beispiel. Es gibt Stücke, die sie schon seit sie elf Jahre alt ist zusammen mit ihrer Schwester Esther Birringer spielt. "Never change a winning team" hat sich Lea Birringer gesagt, und auch bei ihrem Solo-Debüt auf die Begleitung durch ihre Schwester gesetzt. Aber etwas anderes ist neu: Ihre Interpretationen. Ihre vielgespielten Noten hat sie zur Seite gelegt und sich ganz neue Ausgaben gekauft.

Körperliche Vorarbeit

Nur drei Tage Zeit hatte Lea Birringer für die Aufnahmen. Danach musste alles im Kasten sein. Schon Monate vorher stand sie deswegen immer wieder mit der Geige vorm Spiegel. Nicht aus Eitelkeit, sondern zur Kontrolle: Sind die Schultern entspannt?  Ist der Stand gerade? Ihr Körper sollte die drei Tage höchsten körperlichen Anspruchs gut durchstehen. Gerade auch die schnellen Läufe.

Durchatmen ist auch möglich

Damit beim Hören nicht irgendwann vor lauter Virtuosität die Ohren streiken, gibt‘s auf dem Album auch immer wieder angenehm langsame Stücke zum Durchatmen – wie die Humoresque von Dvorak.

Ortrun Schütz, rbbKultur