Raphaela Gromes - Offenbach; Montage: rbbKultur
Bild: SONY Classical

CD DER WOCHE | 17.06. – 23.06.2019 - Raphaela Gromes - Offenbach

Zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach hat die Cellistin Raphaela Gromes ein Jubiläumsalbum mit dem schlichten Titel "Offenbach" herausgebracht. Viele Salonstücke für Cello und Klavier oder auch für zwei Celli gibt es darauf. Aber wieso eigentlich Cello? Offenbach ist doch vor allem als Erfinder der modernen Operette bekannt.

Was viele nicht wissen: Vor seiner Zeit als Bühnenkomponist wurde er auch "Franz Liszt des Cellos" genannt – er war ein Virtuose auf diesem Streichinstrument.

Eine besondere Einspielung ist das letzte und schwerste von insgesamt 36 Duo für Celli, das Offenbach für sich und seine Cello-Schüler komponiert hat – quasi ein Meisterstück. Raphaela Gromes spielt mit ihrem ehemaligen Lehrer und langjährigen Mentor zusammen: dem Münchner Cello-Professor Wen-Sinn Yang. Das klingt unaufgeregt, aber sehr präsent und nach großem Respekt vor den Fähigkeiten des jeweils anderen.

Der sentimentale Offenbach

Jaques Offenbach hat aber nicht nur technisch-anspruchsvolle Stücke für Cello geschrieben, sondern auch sehr lyrische, sentimentale. "Reverie au bord de la mer" ist eines von Raphaela Gromes Lieblingsstücken. Sie beschreibt es als "zart und intim, ein wenig sehnsüchtig und melancholisch, aber überhaupt nicht kitschig". Was sie dabei nicht erwähnt ist, dass das auch an ihrem eigenen Spiel liegt. Sie versinkt ganz in den Melodien und wird nicht rührselig dabei.

Berühmte Pianisten

Bei seinen Europa-Tourneen haben Jacques Offenbach die besten Pianisten seiner Zeit begleitet – Anton Rubinstein oder Franz Liszt zum Beispiel. Raphaela Gromes Klavier-Partner ist Julian Riem:

"Ich schätze an Julian, dass er unglaublich sensibel ist und genau spürt was ich will und dem auch folgen kann. Auf der anderen Seite, dass er transparent und sehr farbig und facettenreich spielen kann. Stichwort Balanceproblem – das Klangvolumen des Pianos ist einfach größer als das des Cellos, mit Julian nie ein Problem!"

Der Fund im Archiv – Offenbachs Tarantella

Raphaela Gromes ist das Standard-Repertoire für Cello zu klein. Deswegen taucht sie gerne mal in Archive ab. Da sie gerne die eine oder andere Tarantella auf ihren früheren Alben mit Julian Riem eingespielt hat, haben sich die beiden gefreut, als sie auch eine Tarantella in der Liste der Werke von Offenbach gefunden haben.

Nicht mit dem Spielen aufhören – denn Stillstand und Nachdenken ist der Tod.


Es ist ein bislang unbekanntes Stück, dessen Original-Notentext erstmal ausfindig gemacht werden musste. Raphaela Gromes hat es als erste eingespielt. Als sie die Noten in den Händen gehalten hatte, ist ihr erst richtig bewusst geworden, was für ein fantastischer Cellist Offenbach gewesen sein muss:

"Es ist rasend schnell – und so hoch, dass man es wohl besser auf der Geige als auf dem Cello spielen könnte. Es geht definitiv an die Grenzen des Machbaren, und noch darüber hinaus. Beim Spielen fühlt man sich tatsächlich wie von der Tarantel gestochen, völlig manisch, getrieben, Augen zu und durch, und nicht mit dem Tanzen bzw. Spielen aufhören, denn Stillstand und Nachdenken ist der Tod."

Eine berühmte Zugabe

Raphaela Gromes hat mit ihrer Offenbach-CD neue Maßstäbe gesetzt: Mit ihren flinken Fingern, ihrer Leichtfüßigkeit, ihren wunderschönen Melodiebögen und einem frischen und interessanten Cello-Programm. Und am Ende des Albums gibt es als Zugabe dann doch noch eines der berühmtesten Stücke von Offenbach: Die Barcarolle, für zwei Celli und Klavier.

Ortrun Schütz, rbbKultur