Sheku Kanneh-Mason: Elgar © decca
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CD DER WOCHE | 13.04.2020. – 19.04.2020 - Sheku Kanneh-Mason: "Elgar"

Sheku Kanneh-Mason – Gerade ist er 21 Jahre alt geworden, der britische Cellist mit Wurzeln in Sierra Leone. 2016 wurde er als erster schwarzer Musiker Sieger des "BBC Young Musician" – des Talentwettbewerbs der BBC für klassische Musik. Seit 2018, seit er bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle spielte, kennt man ihn nahezu in der ganzen Welt.

Musik, die zu Herzen geht

Um es vorwegzunehmen: "Elgar" von Sheku Kanneh-Mason ist ein Album für Romantiker. Es beginnt mit dem nordenglischen Volkslied "Blow the Wind Southerly" – einem Liebeslied, in dem eine Frau sehnsüchtig darauf hofft, dass ein Südwind aufkommt und ihr den Geliebten übers Meer zurückbringt. Sheku selbst hat das Lied für Solocello arrangiert.

"Nimrod", im Arrangement für 6 Celli

Auch das nächste Werk: voller Leidenschaft: "Nimrod", die neunte der so genannten Enigma-Variationen von 1899. Hier arrangiert für sechs Celli.

Das Thema der Enigma-Variationen geht auf einen spontanen Einfall zurück, den Edward Elgar am Klavier hatte. Jede Variation beschreibt einen von Elgars Freunden – die letzte: Elgar selbst. Dem britischen Komponisten der Spätromantik verschafften sie den großen Durchbruch.

Elgars Cellokonzert im Zentrum

Sein Cellokonzert schrieb Edward Elgar 20 Jahre später, am Ende seiner Karriere als Komponist. Das Werk steht im Zentrum der CD.

Sheku Kanneh-Mason ist mit dem Cellokonzert quasi aufgewachsen. Schon als Kind von fünf oder sechs Jahren hat ihn die legendäre Einspielung von Jaqueline du Pré tief berührt. Die Aufnahme – so verrät Sheku im Booklet seiner CD: die Du-Pré-Aufnahme habe ihn dazu gebracht, selbst Cello zu spielen.

Wie die Du Pré spielt Sheku das Werk mit größter Präsenz und Hingabe. Er lässt sein über 400 Jahre altes Amati-Cello melancholisch singen, lässt es klagen, schmachten und seufzen. Immer schafft er es jedoch, vibrierende Spannung zu halten und – da, wo es angebracht ist: hoffnungsfroh, mit heiterer Entschlossenheit zu spielen.

Persönliche Berührungspunkte zwischen Sheku und Elgar

Mit Edward Elgar verbindet Sheku Kanneh-Mason nicht nur die britische Herkunft. Beide entstammen kinderreichen Familien: Elgar war das vierte, Sheku ist das dritte von jeweils sieben Geschwistern. Die Kanneh-Masons allesamt: musikalisch. Gemeinsam traten die Geschwister auch schon im Fernsehen auf. Ein Bruder, der Geiger Braimah Kanneh-Mason hat bei der CD-Aufnahme ebenfalls mitgespielt.

Auch der Ort, die Abbey Road Studios in London, in denen Sheku das Konzert einspielte, ist mit Edward Elgar verknüpft: er war es, der die Studios 1931 eröffnete. Hier dirigierte der Komponist das LSO, das London Symphony Orchestra bei der allerersten Aufnahme in den Studios.

Heute, fast 90 Jahre später, ist es ebenfalls das LSO, nun unter der Leitung von Sir Simon Rattle, mit dem Sheku Kanneh-Mason die Orchesterwerke seiner CD aufgenommen hat.

Musik auch von Elgars Zeitgenossen

Auf dem Album ist Edward Elgar von Zeitgenossen umgeben:
Von Frank Bridge über den Schweiz-Amerikaner Ernest Bloch, über den Franzosen Gabriel Fauré bis hin zu dem deutschen Komponisten und Cellisten Julius Klengel.

Klengels Hymnus für 12 Celli: In seinem elegischen Fluss steht das Stück in musikalisch- geistiger Verwandtschaft zu den Werken Elgars.

Ein weiterer Link: Der Hymnus wurde 1922 uraufgeführt: bei der Beerdigung von Arthur Nikisch, dem Nachfolger von Elgar als Dirigent des LSO.

Eine Hommage an das Cello – und an Edward Elgar

So ist diese CD die Hommage eines jungen, vielversprechenden Cellisten an Edward Elgar. Eine Hommage, die hörbar von Herzen kommt.

Antje Bonhage, rbbKultur