Simone Kermes: Inferno e Paradiso © Sony
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CD DER WOCHE | 17.02. – 23.02.2020 - Simone Kermes: "Inferno e Paradiso"

Simone Kermes gehört zu den wichtigsten Barocksängerinnen der letzten 20 Jahre. Immer wieder erregt sie mit ihren Konzept-Alben Aufmerksamkeit. Auf ihrer neuen CD geht es um die sieben Todsünden: "Inferno e Paradiso" heißt das Album – Himmel und Hölle. Darauf singt Simone Kermes eine ungewöhnliche Auswahl von Musik aus Barock und Rock.

Wer die neue CD von Simone Kermes, gleich in den Player schiebt, ohne sich vorher das Booklet genauer anzusehen, den dürften einige Nummern ziemlich irritieren. Was ist das? Eine selten eingespielte Purcell-Arie? Nein, hört man genauer hin ist, ist es Lady Gagas Hit Poker Face, auf Barock frisiert. Genau diese Irritation will Simone Kermes erreichen und zeigen, wie sehr Pop und Barock sich zuweilen ähneln:

"Natürlich wollte ich kein Cross-Over-Album machen, sondern schon, dass man nicht erkennt: was ist ganz alt, und was ist unsere heutige Pop-Musik. Poker Face, Das ist eine Passacaglia! Und ich würde meinen, jetzt, wenn man das Stück hört, könnte man schon denken, es ist vielleicht gefunden worden in einer Bibliothek in London, und liegt dort schon 300 Jahre verstaubt irgendwo in der Ecke …"

Ausgefeiltes Konzept

Mit "Inferno e Paradioso" legt Simone Kermes eines ihrer ausgefeiltesten Album-Konzepte überhaupt vor.  Sieben Barockarien thematisieren die sieben Todsünden, und die Tipps, wie den entsprechenden Sündenpfuhlen wieder entsteigt, werden gleich mitgeliefert. Den Sündenarien stehen sieben Tugend-Versionen  gegenüber.

 Was aber hat das mit alles mit Titeln von Lady Gaga, Sting oder Udo Jürgens zu tun? Ganz einfach, sagt Simone Kermes. Trotz verzweifelter Recherche lässt sich nicht zu jeder Todsünde ein Barockstück auftreiben. Also muss bei den Lücken getrickst werden:

"Ich hab wirklich Arien gesucht für Völlerei, und ich bin nicht fündig geworden, und dann kam über einen Freund eine Idee, er hat lange Jahre für Udo Jürgens gearbeitet, und dann platzte er so raus: 'Aber bitte mit Sahne', Simone, das wärs doch!"

Provokante Zusammenstellung

Klar werden diese von Jarkko Riihimmäki und Simone Kermes witzig arrangierten Titel auf diesem Album die größte Aufmerksamkeit erregen. Doch natürlich gibt es jede Menge barockes  Repertoire: große Arien von Bononcini und Vivaldi, eine Weltersteinspielung von Hasse ist dabei, sogar eine Arie von Bach aus der Matthäuspassion. Sicher ist es auch ein bisschen frivol und provokant, Bach an die Seite von Udo Jürgens und Lady Gaga zu stellen, aber Simone Kermes will genau das – provozieren.

Begleitet wird sie auch auf diesem Album wieder von den Amici Venezani, einem Ensemble, das Simone Kermes selbst gegründet hat. Alles ausgewählte Barock-Musiker, mit denen die Sängerin gern zusammenarbeitet:

"Das ist mir besonders wichtig, und deshalb bin ich jetzt im Laufe der Zeit mit meinen Erfahrungen dazu gekommen, dass ich jetzt die richtigen Menschen an meiner Seite brauche, denen ich schon lange vertraue, die zu mir passen, die menschlich in erster Linie für mich funktionieren und die für mich gut sind. Also das ist die Hauptsache, denn sonst kann man nicht zusammen Musik machen."

Matthias Käther, rbbKultur

Tipps

Simone Kermes und Peter Claus; © Carsten Kampf
Carsten Kampf

"Musik ist stärker als viele 1.000 Worte." - Simone Kermes, Sängerin

"Hölle und Paradies – Todsünden und Tugenden", so betitelt Simone Kermes ihr neues Album. Zwischen diesen Polen bewegt sich nicht nur ihre Musik, sondern auch ihr Leben. Welche Tugenden ihr besonders wichtig sind, darüber spricht Simone Kermes mit Peter Claus.

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