Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem KV 626 © Etcetera
Bild: © Etcetera

CD DER WOCHE | 18.11. – 24.11.2019 - Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Mozarts Requiem, ein Werk, das Mozart nicht mehr vollenden konnte, ist dennoch ein Meisterwerk. In der Vollendung – oder besser Ergänzung – durch Mozarts Schüler Xaver Süßmayr wird das Requiem weltweit aufgeführt. Besonders oft im November. Das Moskauer Rusquartet hat nun das Werk in einer Fassung für Streichquartett eingespielt. Ein Requiem ohne Worte.

Mozarts Requiem gehört in diese Trauerwoche wie kein anderes. Und weil Mozart das Werk nicht eigenhändig beendete, ist es von unzähligen Mythen umrankt. Das Werk begeistert auch die Mitglieder des Rusquartets. Alle vier haben es bei unterschiedlichen Aufführungen kennen gelernt, mit verschiedenen Interpreten, unter etlichen Dirigenten.

Ein Freund machte die Musiker auf eine Kammer-Fassung aufmerksam. Henk Guittart, der Leiter des Orlando Festivals kannte die Bearbeitung für Streichquartett – ohne Chor, ohne Solisten. Peter Lichtenthal hatte diese Fassung fünf Jahr nach Mozarts Tod geschaffen. Lichtenthal war ein Mailänder Arzt, Musikpublizist und Freund des Mozart-Sohn Carl Thomas, der ebenfalls etliche Jahre in Mailand verbrachte.

Große Werke für kleine Runde

Der Cellist des Rusquartet, Peter Karentnikov verbesserte die Version noch gezielt. So erhielt das Quartett seine ganz persönliche Bearbeitung. Große Werke wie das Mozart-Requiem für Hausmusikbesetzung zu bearbeiten, war damals – kurz nach Mozarts Tod – übliche Praxis: mit einer kammermusikalischen Fassung holte man sich das Neueste in die eigenen vier Wände – Musikstreaming des 18. Jahrhunderts.

Weniger Wucht für mehr Zwischentöne

Diese Fassung umgeht die Wucht des vollen Orchesterklangs. Keine Bassetthörner und Fagotte, keine Posaunen und Pauken. Stattdessen werden Zwischentöne hörbar. Intimer und sprechender wird Mozarts Musik: wie zum Beispiel ihr "Domine Jesu" beweist.

Die große Textur des Orchesterklanges aufzubrechen, darauf kam es dem Rusquartet an. Darüber waren sie sich sehr schnell einig. Besonders eindrucksvoll gelingt ihnen das beim "Dies Irae". Die Wucht von Chor und Orchester übersetzen sie in Streicherwildheit und kammermusikalische Eindringlichkeit.

Aufnahmeort mit großer Wirkung

Als das Rusquartet Mozarts Requiem in einer belgischen Kirche aufnahm, wurden sie emotional überwältigt. Vor allem beim "Lacrimosa". Weite Passagen mussten sie wiederholen, weil sie tatsächlich den Tränen so nahe waren. Geigerin Anna Yanchishina spekuliert, dass es vielleicht am Aufnahmeort lag. Denn sie blickten direkt auf eine Pietà: auf Maria, die ihren Sohn beweint. Und so konnten sie nicht anders, als den Lacrimosa-Text beim Spielen immer mitzudenken.

Bearbeitung als risikoreiche Herausforderung

Das Rusquartet hat noch eine Mozart-Bearbeitung aufgenommen: die Sinfonia concertante, für Violine, Bratsche und Orchester. Doch die Fassung, ebenfalls kurz nach Mozarts Tod entstanden, ist für Streichsextett, zwei Freunde spielen also mit. Die Besonderheit der Kammer-Variante: Hier gibt es keine Solisten, ihre Parts werden unter allen sechs Spielern aufgeteilt.

Einen eigenen Fokus zu setzen in der Bearbeitung, das ist ihre Hauptarbeit dabei. Und die sechs Musiker genießen die Möglichkeit, etwas zu entdecken und ein musikalisches Risiko einzugehen.

Cornelia de Reese, rbbKultur