Ensemble minui: Act 1 © Ars Produktion
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CD DER WOCHE | 09.03. – 015.03.2020 - ensemble minui: Act 1

Die große Welt der Oper, reduziert auf ein Ensemble von neun Instrumentalisten. Das ist das Programm auf der ausgefeilten Debüt-CD des „ensemble minui“ aus Kärnten. Die klanglich überaus reizvolle Platte vereint drei Suiten, die aus den populären Opern „Der Rosenkavalier“, "Tosca" und "Rusalka" zusammengestellt wurden.

Minui ist lateinisch und bedeutet: ich habe verringert. Der Name ist Programm für Stefan Potzmann und das von ihm initiierte Ensemble gleichen Namens. Schon als Jugendlicher hat sich der aus dem Burgenland stammende Musiker im Arrangieren von Kammermusikwerken geübt. Inzwischen ist der 35 Jahre alte Klarinettist am Stadttheater Klagenfurt angestellt, und vor vier Jahren hatte er nach einem Kammerkonzert in Septett- und Oktett-Besetzung eine Idee. In ähnlicher Zusammensetzung wollte er mit seinen Kollegen vom Kärntner Sinfonieorchester gern öfter musizieren. Er legte ihnen ein Arrangement zum Ausprobieren vor.

Schnelle Resonanz

"Ich hab' ein paar sehr skeptische Blicke geerntet, weil die gesagt haben: In der Besetzung, wie soll das bitte möglich sein? Es war aber dann sofort klar nach der ersten Probe, das hat absolut Potential und da machen wir weiter."

Bald war die Wunschformation gefunden: ein Nonett aus drei Frauen und sechs Männern, die fünf Streich- und vier Blasinstrumente spielen. Doch für diese Besetzung gibt es nur eine einzige Komposition, das Nonett Nr. 1 von Hanns Eisler. Also hieß es für Stefan Potzmann fortan: arrangieren, arrangieren, arrangieren. Etwa 50 Bearbeitungen hat er für das "ensemble minui" – neben sieben Klagenfurter Orchestermitgliedern gehören ihm zwei Gäste an – inzwischen fertiggestellt.

Oper!

Zunächst spielte man hauptsächlich seine Reduzierungen von Sinfonien und anderen Orchesterwerken. Doch das Kärntner Sinfonieorchester dient vor allem als Opernorchester und daher lag es nahe, sich auch an Bühnenwerke heranzuwagen.

Den Ausgangspunkt für dieses Unterfangen lieferte die "Rosenkavalier-Suite", die Richard Strauss von seiner Oper selbst anfertigte. Diesen Orchesterzyklus hat Stefan Potzmann adaptiert und erweitert.

Mehr Oper!

Und weil diese und andere Opernausschnitte in den Konzerten des Ensembles beim Publikum am besten ankamen, fertigte er noch weitere Opernsuiten an, zunächst von Giacomo Puccinis "Tosca" und von Antonín Dvořáks "Rusalka". Alle drei Opern standen in den vergangenen Jahren auf dem Spielplan des Klagenfurter Stadttheaters, Potzmann und seine Musikerfreunde sind mit ihnen also bestens vertraut.

Anspruch

Bei seinen Suiten geht es dem Arrangeur darum, nicht nur Highlights der Opern zu liefern, sondern sie als geschlossenes Ganzes zu sehen. Daher gehen die Tracks auf der CD öfters auch ineinander über. Die Querschnitte sollen ein gutes Spiegelbild des jeweiligen Bühnenwerkes abgeben, die Relationen der Instrumente zueinander dabei dem Orchestersatz nahekommen. "Dadurch entsteht dann der Eindruck, es würde überhaupt nicht viel fehlen", sagt Stefan Potzmann und weist darauf hin, dass er immer Ausschnitte auswählt, die gut zueinander passen und das Ganze sehr homogen erscheinen lassen.

Ohne Handlung

Es geht ihm dabei aber ausschließlich um die Musik und deshalb kombiniert er in seinen Suiten durchaus Ausschnitte aus verschiedenen Akten direkt miteinander. Manche Opernkenner mögen sich daran stören, doch Potzmann nimmt sich die Freiheit heraus, ganz nach seinem Gusto zu verfahren und beteuert, nur musikalisch sinnvolle Verknüpfungen vorzunehmen.

Brillant

Die im Kulturzentrum Immanuel in Wuppertal vom renommierten Label Ars Produktion aufgenommene SACD besticht mit hervorragendem Sound und sehr luftigem Klangbild – jedes Instrument ist gut identifizierbar. Man merkt dem Spiel der Kärntner Musiker an, wie sehr sie die Freiheit und die Herausforderung genießen, ohne Dirigenten zu musizieren. Und es macht ihnen allen offenkundig so viel Spaß, dass der Arrangeur nach der Produktion der "Act 1"-CD bereits mit der Arbeit für einen "2.Akt" begonnen hat.

Rainer Baumgärtner, rbbKultur