Ivo Pogorelich: Beethoven | Rachmaninow; Montage: rbbKultur
Bild: SONY

CD DER WOCHE | 26.08. – 01.09.2019 - Ivo Pogorelich: Beethoven | Rachmaninow | Klaviersonaten

Ein neuer Pogorelich – extrem, mit virtuoser Expressivität und intensiverem Sinn für den Klang selbst.

Wilde Spekulationen habe es über den Verbleib von Ivo Pogorelich in den letzten 14 Jahren gegeben, erzählt der Pianist selbst in Berlin. Aber er habe – auch wenn er in der Schweiz privilegiert wohne – kein Luxusleben auf der faulen Haut geführt, mit Zeitunglesen und Kinobesuchen, er habe gearbeitet.

Weil er neu Klavier spielen lernen wollte. Geführt von russischer Disziplin und dem asiatischen Denken des lebenslangen Lernens und ein bisschen Glück, habe er sich Beethoven und Rachmaninow neu erschlossen. Jetzt ist er gespannt auf die Begegnung mit dem Publikum. Erleben wir in den Sonaten von Beethoven und Rachmaninow wirklich einen neuen Ivo Pogorelich?

Wie die heutige Filmkunst

Man soll den Begleittext lesen, um zu wissen, wie die Sonaten von Rachmaninow und Beethoven zusammenhängen, das erwartet der Pianist. Ihn selbst hat diese Erkenntnis getrieben, für ihn erfüllt Rachmaninow die Kunst der virtuosen Expressivität, die Beethoven begonnen hat, die wir mit harten Schnitten und dem Auskosten der Extreme heute im Kino finden.

Ivo Pogorelich; © Bernard Martinez
Ivo PogorelichBild: Bernard Martinez

Beethovens neuer Flügel

Der Schlüssel zur Sonate op. 54 war für Ivo Pogorelich das Wissen, dass Beethoven einen  ganz neuen Flügel von Érard aus Frankreich bekommen hatte, für den er diese Sonate schrieb. Er sucht nicht nach Fantasiegeschichten, die ihm den Inhalt vermitteln, er möchte ein Vakuum zwischen Taste und Finger erzeugen, so, als würde er mit seinen Händen den Klang formen.

Keine Geschichten, sondern Klang

Ivo Pogorelich zeichnet extrem, wie man es von ihm kannte, nur entdeckt er jetzt eine psychische Dimension und das bedeutet für sein Spiel: Es ist noch differenzierter als früher, er nimmt weniger Pedal und spielt mit einer Entdeckerlust, die dem Klang selbst mehr Freiheit gibt.

Margarete Zander, rbbKultur