David Orlowsky Trio: One Last Night © Sony Classical
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CD DER WOCHE | 19.08. – 24.08.2019 - David Orlowsky Trio: "One Last Night"

Das David Orlowsky Trio hat ein eigenes musikalisches Genre erfunden: "Chamber.World.Music", eine Mischung aus Klassik, Klezmer und Jazz mit orientalischen Einflüssen. Nun verabschiedet sich das Trio nach über 20 Jahren von der Bühne und hat ein Abschiedsalbum herausgebracht.

Mit traditionellem Klezmer fängt die Erfolgsgeschichte von Klarinettist David Orlowsky an. Und traditioneller Klezmer fehlt auch nicht in der Konzert-Aufnahme von "One Last Night", dem letzten Album seines Trios.

Vom traditionellen Klezmer zum neuen Klang

Anfangs hatte sich das Trio noch "Klezmorim" genannt. Doch ihre vielen Eigenkompositionen – eine Mischung aus kammermusikalischem Klezmer, Jazz und orientalischen Einflüssen – haben das Publikum irritiert. Also haben sie sich in "David Orlowsky Trio" umbenannt – und seitdem ihre Kompositionen erst recht ganz frei gestaltet. Wie das melancholische Stück "Jodaiye" von Gitarrist Jens-Uwe Popp, inspiriert von einem persischen Liebesgedicht. Da klingt die Klarinette wie das armenische Blasinstrument Duduk.

"Best of" aus über 20 Jahren

"One Last Night" ist ein "Best of Album" aus über 20 Jahren.  Also finden sich auch Meilensteine wieder auf der Suche nach dem wirklich eigenen Klang des David Orlowsky Trios. Wie das Stück "Des Nachts" vom Bassisten Florian Dohrmann, ein älteres Stück aus der Zeit um die Jahrtausendwende. Es ist vielleicht ihre erste Ballade, in der die Gitarre eine Art Ostinato spielt und dann die Klarinette eine relativ langsame Melodie darüberlegt. Ein Klang, der später noch öfter in den Kompositionen des David Orlowsky Trios vorkommen sollte.

Mit Fehlern zum lebendigen Klang

Bei diesen Balladen fällt ganz besonders auf, wie fein David Orlowsky Melodien spielt – fast schon singt. Hier spürt man die Konzertsituation: Das Abschiedsalbum "One last Night" hat das Trio live in der Elbphilharmonie aufgenommen – und auf nachträgliche Korrekturen verzichtet. Selbst kleine Fehler sind darauf festgehalten: Genau das macht den Klang so lebendig. Man merkt jedem einzelnen Stück die jahrelange gemeinsame Bühnenerfahrung an: Das Zusammenspiel stimmt, egal ob bei den intimen und zarten Titeln auf dem Album, oder bei den wilden Stücken, mit metrischen und rhythmischen Brüchen. Obwohl die Musik technisch sehr schwierig zu spielen ist, fließt sie bei diesen Musikern organisch. Und man hört die Freude am Spiel richtig heraus!

Ortrun Schütz, rbbKultur