Sapphire © Berlin Classics
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CD DER WOCHE | 12.08. – 18.08.2019 - "Sapphire"

Nach einem der schönsten Edelsteine ist diese CD benannt: "Sapphire" heißt das Album. Aufgenommen hat es der in Wien lebende Posaunist Peter Steiner zusammen mit der Pianistin Constanze Hochwartner.

Am Anfang ist man etwas irritiert - Mozarts "Rondo alla turca" klingt wie bei einem Vorspiel in der Mittelstufe einer Musikschule. Fehlerfrei, aber auch sehr brav gespielt. Doch plötzlich dreht das Duo auf und liefert so gleich im ersten Titel des Albums eine musikalische Überraschung. "Nach 20 Sekunden wechseln wir den Stil und verändern den originalen Mozart auf unsere eigene Art und Weise. Wir dachten, dass das ein guter Beginn für eine CD sein würde." Sogar ein sehr guter Beginn ist mit dieser rasanten Mozart-Bearbeitung gelungen, auf einer CD, in deren Verlauf Peter Steiner ein unterschätztes Instrument in seiner ganzen Vielseitigkeit zeigen will: "Die Posaune sitzt meistens in der letzten Reihe, im Orchester oder in der Blaskapelle. Man kennt sie nicht wirklich von der schönen Seite!"

Überraschungen

Jeder Titel dieser CD präsentiert eine musikalische Überraschung. Bei "Somewhere" aus Leonard Bernsteins "West Side Story" ist es die Schönheit der melodischen Linien. "Durch die Posaune singen",  erklärt Peter Steiner seinen Ansatz bei der Tonbildung. Bei der anschließenden "Hora Staccato" - im Original für Geige - braucht Steiner dann seine gesamte Fingerfertigkeit. Wobei dieser Ausdruck für die Posaune eigentlich nicht ausreichend ist, denn hier sind noch ganz andere Körperbereiche beteiligt. "Die Technik der Doppelzungen-Artikulation, bei diesem Geigenstück kommt sie zum Einsatz. Die Koordination zwischen Zunge und Zughand ist dabei sehr sehr wichtig und sehr anspruchsvoll. Das Stück "Hora Staccato" geht definitiv an die Grenze des Möglichen, es ist wirklich sehr virtuos."

Sportlich

Bei der enormen Kondition, die man für solch ein Posaunenspiel braucht, kommt Peter Steiner allerdings nicht so schnell an seine Grenzen. Denn der gebürtige Südtiroler war früher Leistungssportler. Er hat in jungen Jahren Handball gespielt, nicht irgendwo, sondern in der italienischen Nationalmannschaft. "Beim Sport muss man fleißig jeden Tag trainieren. Ich war früher jeden Tag einige Stunden in der Halle, auch im Kraftraum, das war einfach normal. Und ich glaube, das habe ich dann auch auf die Posaune übertragen. Hartes Üben gehörte immer schon dazu, gehört auch heute noch dazu. Bei der Kondition profitiere ich vielleicht auch, da wir ja beim Leistungssport auch die Lungen trainieren und an unsere Grenzen stoßen. Das kann ich im Posaunenspiel einbauen."

Entscheidungen

Irgendwann, erzählt Peter Steiner, habe er sich zwischen Sport und Musik dann für die Musik entschieden. Seinen Vertrag bei den Wiener Philharmonikern hat er dann aber lieber nicht verlängert. Denn selbst in einem der besten Klangkörper der Welt habe die herkömmliche Orchesterliteratur für ihn einfach nicht genügend Herausforderungen geboten. Und so spielt Peter Steiner lieber im Duo mit Constanze Hochwartner solistische Kammermusik. Darunter auch die Bearbeitung eines Salonstücks von Fritz Kreisler.

Blautöne

Dieses "Liebesfreud" spielen Constanze Hochwartner und Peter Steiner mit einer besonderen Hingabe. Denn die beiden Musiker sind auch privat ein Paar. Sie haben sich vor einigen Jahren bei den Salzburger Festspielen kennengelernt und sind schon bald danach mit großem Erfolg gemeinsam auf die Bühne gegangen. Dabei sind sie immer "in Blau" gekleidet, wie Peter Steiner erklärt. Und so trägt der Posaunist auf dem Umschlag der CD einen dunkelblauen Smoking, die Pianistin ein hellblaues Kleid. Perfekt abgestimmte Blautöne - wie bei den wunderschönen Saphiren nach denen das Album benannt ist.

Wiegenlied

Saphire sollen mit Eigenschaften wie Ruhe und Reinheit, Frieden und Glück in Verbindung stehen. Eine friedliche Einkehr bietet das Album dann mit dem gelungenen Schluss, Manuel de Fallas "Nana". "Also wir wollten nach diesem ganzen furiosen "Gespiele" ein Wiegenlied als letztes Stück. Um einfach die CD schön ausklingen zu lassen und nach dem Hören ein glückliches Gefühl zu vermitteln."

Hans Ackermann, rbbKultur