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Ballhaus Ost - New Star Dance Company: "Sample 1 Lomé – Berlin"

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Gestern hat sich im Ballhaus Ost zum ersten Mal eine neue Berliner Tanzcompany präsentiert, an der auch Schauspielerin und Performerin Anne Tismer beteiligt ist. Und das bei einer Gruppe, die aus der Hip-Hop-Szene von Togo stammt!

Über die New Star Dance Company ist vorerst relativ wenig bekannt. Es ist auch kaum etwas zu finden, außer dass der Tänzer und Choreograf Meier Edem Akakpo sie in Ghana gegründet hat. Dann ist er nach Lomé, in die Hauptstadt von Togo gegangen und soll dort in der Hip-Hop-Szene für Furore gesorgt haben.

Akakpo vereint in sich klassisches Ballett dank seiner Mutter und zeitgenössischen Tanz wie Hip-Hop dank seines Studiums. Seine Company gehörte zu der Szene, die sich – wie der Programmzettel verrät – in Lomé einmal im Monat in einer Bar und auf einem Beton-Basketballfeld trifft, um dort in den Battles gegeneinander anzutreten. 2016 ist Anne Tismer, die in der Zeit in Lomé gearbeitet hat, dazugestoßen. 2017 sind alle nach Berlin gekommen und präsentieren nun also das erste Stück mit Beteiligung von Kindern.

Nachwuchs-Company

Meier Edem Akakpo hat – recht ehrgeizig – in Berlin eine Nachwuchs-Company gegründet, mit Schülerinnen und Schülern der British School of Berlin. Acht von ihnen waren gestern zu sehen, um zehn Jahre jung. Ein, zwei tatsächliche Bewegungstalente sind dabei, aber weit fortgeschritten sind sie alle in den diversen Tanzstilen, v.a. im Hip-Hop selbstverständlich noch nicht. Immerhin haben sie frei und ohne Scham und Angst die Bühne übernommen – das pädagogische Konzept dieser Nachwuchs-Company scheint sehr gut zu funktionieren.

Spaß an der Freibeuterei

Ein konkretes Thema gibt es nicht, nur einige gleichnishafte Szenen und Bilder von Wanderschaft und Transformation. Und ein Motto, das man mit "Viel Spaß an der Freibeuterei" beschreiben könnte. Der Tanz ist eine Mischung aus Modern Dance, Zeitgenössischem Tanz und Hip-Hop. Streetdance, Poptanz und Showtanz sind auch dabei. Hauptsache, es macht Spaß und passt zu der Musik, die auch ein Vielerlei ist aus Afropop, House, Techno und neuer Rockmusik, immer schön rhythmisch, mit viel Percussion und Schlagzeug, E-Gitarren, Synthesizer und Rap-Gesang. Zu diesen antreibenden Rhythmen wird in Körper, Herz und Kopf völlig frei, in der Form aber gestaltet drauflos getanzt.

Immer dabei: Anne Tismer

Anne Tismer, wahrlich keine ausgebildete Tänzerin, ist immer dabei, v.a. beim Stamm-Quartett, das die meisten Szenen hat. Sie ist konzentriert und präzise, wie früher als gefeierte Schauspielerin in ihrer Zeit an den Stadt- und Staatstheatern, die sie schon so lange hinter sich gelassen hat. Und sie ist mit ihren Mitte 50 erstaunlich beweglich.

Radschlag und Spagat sind kein Problem und der nicht sonderlich elaborierte Freibeuter-Tanzstil, das Schwingen und Gleiten aus den Hüften und Gelenken, die Schritte, Läufe und Hüpfer machen ihr, wie allen anderen sichtbar Spaß. Und darum geht es ganz offensichtlich: Spaß zu haben und zugleich als neue Company ein erstes Zeichen zu setzen. Und das möglichst unverkrampft, undogmatisch sowie spielerisch frei.

Weit entfernt vom üblichen Hip-Hop-Tanz

Der Hip-Hop-Tanz spielt bei alldem eine angenehm kleine Rolle. Zwei Hip-Hop-Profis sind dabei, die in wenigen Momenten die akrobatischen Power Moves vorführen, riskante Salti, Drehungen am Boden auf Rücken oder Kopf, Locking und Popping, die Kontraktionen und Isolationsbewegungen der Arme, Beine, des Rumpfes.

Aber zumindest bei diesem ersten Stück ist die Company sehr weit aus dem Hip-Hop-Kosmos herausgetreten. Und das bedeutet auch: Es gibt keinen Machismo, die Frauen und Kinder sind als Performer*innen völlig gleichberechtigt. Es gibt wenig Posing und keine Battle-Struktur wie im Hip-Hop, wenn zumeist zwei Tänzer zweier Gruppen im Tanz-Battle gegeneinander antreten.

Gute leichtgewichtige Unterhaltung

Damit ist der New Star Dance Company etwas gelungen, woran schon viele Gruppen und auch sehr berühmte Hip-Hop-Choreografen gescheitert sind, wenn sie versucht haben, den Hip-Hop zum zeitgenössischen Tanz hin zu öffnen: Von akrobatisch-angeberischen, männlichkeitsprotzenden Power Moves und von der Battle-Struktur haben diese sich so gut wie nie befreien können.

Diese erste Produktion der New Star Dance Company ist gute leichtgewichtige Unterhaltung und folgt in der Struktur und Dramaturgie den choreografischen Prinzipien des Zeitgenössischen Tanzes, die aber auch nicht allzu ernst genommen werden.

Mehr als ein erster Versuch, der allen Beteiligten und den Zuschauern Spaß machen soll, war das erstmal nicht. Aber das kann ja noch werden und wer mit seinen Kindern hüftlockernde 50 Minuten plus Zugabe erleben möchte, der wäre hier richtig.

Frank Schmid, kulturradio

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