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Kammermusik - Philharmonie Berlin: Klavierabend mit Daniil Trifonov

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Zuletzt war der gefragte Starpianist Daniil Trifonov als Liedbegleiter im gemeinsamen Liedprogramm mit dem Bariton Matthias Goerne zu erleben. Gestern nun präsentierte er sich solo mit Werken von Beethoven, Schumann und Prokofjew.

Daniil Trifonov ist ein Besessener, er wird geradezu körperlich von der Musik ergriffen. Oft hält es ihn nicht auf dem Klavierstuhl, so dass man oft fürchten muss, er treffe ihn nicht mehr. Er liebt vor allem das Exzentrische, Verrückte, Ausgefallene an den gespielten Werken.

Impressionistisch

Das ist im Falle Beethoven nicht unproblematisch. Das Andante favori mit seinen feinen Abstufungen und komplexen Wendungen ist eben nicht nur krasse Überraschung hier und da. Oft taucht Trifonov Passagen in Pedalnebel, klare Phrasen verschwimmen, manches gerät impressionistisch. Auch dient es der folgenden Sonate op. 31,3 keineswegs, direkt an dieses Stück anzuschließen. Zumal gerade der fragende Anfang, aus dem sich alles Weitere entwickelt, bei Trifonov mit Nichtachtung überspielt wird. Auch wird dann das moderato grazioso des Menuetts zum innigen Choralgesang, etc. pp. Die durchaus vorhandenen "verrückten" Passagen spielt er allerdings wie kein Zweiter.

Berauschend

Es dient Schumanns "Bunten Blättern" keineswegs, sie als Zyklus zu spielen. Aber Trifonov findet in den innigen Sätzen und in den ausgeflippten Scherzi Seelenverwandtes, was er packend und auch ergreifend darbietet. Ganz bei sich ist er in dem als letzte Steigerung angefügten pothumen Finalsatz einer Sonate. Sie ist geradezu grotesk rasend, am Rande des Spielbaren. Bei Trifonov wird es spielbar, mehr als das, berauschend, an und über die Grenze des Manischen führend.

Und dann Profkofievs 8. Sonate aus dem Kriegsjahr 1944. Da sind plötzlich alle Facetten da, auch die Zärtlichkeit neben der Raserei. Nur der Humor fehlt, dazu ist es Trifonov viel zu ernst mit der Musik. Das ist auch zirzensisch, aber insgesamt auch ganz einmalig - packend ist noch zu wenig gesagt.

Clemens Goldberg, kulturradio

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