Jörg Widmann, Komponist und Klarinettist, im Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal, Berlin; Foto: Carsten Kampf

Pierre Boulez Saal - Pierre Boulez: "Dialogue de l'ombre double" für Klarinette und Tonband

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Pierre Boulez’ "Dialog des doppelten Schattens" für Klarinette und live Elektronik passt wie angegossen in den kreisrunden Boulezsaal.

Boulez’ Vision von einer kreisenden Kugelzeit, mit rituellem Gang von Station zu Station und kreisenden Klängen scheint für diesen Raum komponiert. Jörg Widmann hat das Werk noch häufig mit Boulez besprochen und verändert, ist also auch der mustergültige Interpret für das Stück. Zudem ist er ein sehr begabter Redner und packt sein Publikum sofort mit seinen Erlebnissen, Einblicken und Klangbeispielen. Mit nur wenigen Tönen evoziert er ganze Stücke.

Verwirrung

Leider blieb er nicht allein, sondern bekam mit Gilbert Nouna vom SWR Experimentalstudio einen Franzosen an die Seite gestellt, dessen Englisch eine echte Zumutung war - einmal von der Problematik der Entscheidung für Menschen abgesehen, die nicht so gut oder gar nicht Englisch können. So trat ziemliche Verwirrung ein, die sich nur lichtete, wenn Widmann einmal wieder etwas erklärte. Schade, dass man erst am Schluss das Wichtigste erfuhr: die Herkunft des Stückes vom No-Theater, bei dem ein Schatten und ein "realer" Charakter interagieren.

Leicht, spielerisch und sehr anrührend

Der "Mount Everest der Klarinettenliteratur" (Widmann) wurde dann unglaublich leicht, spielerisch und in den langsamen Passagen sehr anrührend dargeboten. Michael Acker und Michael Silberhorn fügten sich mit ihrer Klangregie aufgezeichneter Passagen passgenau und sensibel ein. Es entstand nicht zuletzt ein Porträt des verschlossenen Menschen Pierre Boulez, der sein Privatleben immer sorgsam verbarg. Das Doppelleben eines sensiblen, überbegabten, aus Selbstschutz auch oft schroff wirkenden Komponisten kam an diesem Abend auf eine faszinierende Theaterbühne.

Clemens Goldberg, kulturradio

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