Volksbühne Berlin: Der Palast © Thomas Aurin
Thomas Aurin
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Volksbühne Berlin - Constanza Macras | DorkyPark: "Der Palast"

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Constanza Macras gehört zu den wichtigsten, international gefragtesten Berliner Choreografinnen. In der Volksbühne zeigt sie nun mit ihrem Ensemble DorkyPark ihr neues Stück "Der Palast". Darin beschäftigt sie sich mit den Veränderungen Berlins seit dem Fall der Mauer.

Morgen findet am Berliner Alexanderplatz die große Demonstration "Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn" statt. Und die Berliner Choreografin Constanza Macras hat ihre neue Choreografie "Der Palast" den Veränderungen Berlins, der Gentrifizierung, der Verdrängung von Altmietern gewidmet, greift somit das Thema der Stunde auf. Gestern war Uraufführung an der Volksbühne Berlin.

Volksbühne Berlin: Der Palast © Thomas Aurin
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TV-Reality- und Castingshow – überspannt und hemmungslos

Constanza Macras ist das aktuelle Thema Nummer Eins vieler Berliner mit den Mitteln einer TV-Reality- und Casting-Show angegangen, mit LIVE-Band, sieben Tänzerinnen und Tänzern und drei Schauspielerinnen - auch etliche Bühnentechniker haben viel zu tun: Showtreppe und rote Sessel für die Show-Juroren müssen rein und raus, silbern glitzernde Vorhänge rauf und runter. Das ist eine große Koproduktion mit der Volksbühne, v.a. zu groß gedacht, wie nach den drei Stunden mit Pause klar war.

Denn neben der Geschichte Berlins seit dem Mauerfall bis zur Gegenwart mit überhitztem Immobilienmarkt, mit Verdrängung, Enteignung, Gentrifizierung wollte Constanza Macras auch gleich noch Kapitalismus, Neoliberalismus, Globalisierung und Schein-Individualitäten in Schein-Realitäten, die Fernseh-Realitäten thematisieren – und das alles nicht nur thematisch völlig überspannt.

Sie hat eine Trash-Show inszeniert mit den Mitteln des Trash-Fernsehens, um dessen Formate zu entblößen, zu kritisieren und hemmungslos zu nutzen.

Eine Show-Persiflage, ins Absurde überzogen

All diese Themen passen jedoch nicht in ihr Show-Format, das ist das Grundproblem dieses Abends. Dass die Tanzshow-Bewerber, die auf ihr kleines bisschen Ruhm hoffen, von ihren Wohnungsproblemen berichten, reicht als Verbindung der Themen nicht aus – die These, dass der Kapitalismus im "Mietenwahnsinn" und den Casting-Shows sein hässliches Gesicht zeigt, ist zu simpel.

Zumal Macras alles ins Absurde überzieht. Im zweiten Teil des Abends lässt sie einen von sich selbst berauschten Show-Moderator Erfolgs- und Motivationstipps geben, nach dem Motto: "Arm geboren zu sein ist keine Schande, arm zu sterben schon.", lässt gockelhafte Jury-Mitglieder ihre Eitelkeiten darstellen und die Tänzer in betont billig arrangierten Showtanz-Einlagen auftreten.

Dies ist eine Show-Persiflage, kombiniert mit Geschichten der übelsten Entmietungstricks von Immobilienbesitzern, Heizung abstellen, Haus einrüsten, Briefkästen abmontieren, Schäden nicht reparieren usw. usf. - dutzende Beispiele werden von hysterisch dauerlächelnden Tänzern aufgezählt, die hüftwackelnd, Po und Brust raus über die Bühne tänzeln.

Volksbühne Berlin: Der Palast © Thomas Aurin
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Satirische Abbilder der Realität - Playmobil-Figuren und Wonder Woman

Constanza Macras inszeniert satirisch und grotesk überzogene Abbilder der Realität, wozu dann eben auch die Protestformen gehören. Zu Beginn gibt es eine lange Szene, in der alle ruckelnd und zuckelnd als Playmobil-Figuren auftreten: eine Familie bekommt von Bank und Immobilienbesitzerin den Räumungsbescheid, protestiert mit "Mietenwahnsinn Stoppen"-Plakaten und wird von der Polizei vertrieben, was selbst Wonder Woman im Superman-Outfit samt Volksbühnen-Emblem auf dem Umhang nicht verhindern kann. Eine Szene, die mit kindlichem und schwarzem Humor der Bitterkeit zu entkommen versucht.

Die eigentlich richtigen Fragen: "Wie kann ein solidarisches Miteinander gelingen?", "Wie viele Millionen braucht man eigentlich, um glücklich zu sein?" werden zwar ausgesprochen, gehen aber in der grellen, grotesken Parodie hoffnungslos unter.

Und auch die Fotografien von Tom Hunter, gestellte Szenen, Darsteller in historischen Kostümen an Berliner Schauplätzen, diese an Alte Meister erinnernden Fotografien bieten außer der Überblendung der Zeitebenen und der Inszenierung von Schein-Welten keine tieferen Reflexionsraum.

Sammelsurium, gigantomanische Show

Constanza Macras ist bekannt für ihre chaotisch-wilden Spektakel, mit denen sie großen, oft politischen Themen zu Leibe rückt; hier ist jedoch wieder einmal jedes Maß verloren gegangen, ganz anders als bei ihren letzten drei Stücken mit südafrikanischen Künstlern. Hier versagt wieder das Macras-Collage-Prinzip -die meisten Szenen entstehen in Improvisationen, die zum Stück zusammengestellt werden - hier ufert alles aus und zerfranst und zerfasert.
Und das mit viel Radau und Rabatz, der zweite Teil des Abends ist ein krudes Sammelsurium aus Themen und Ideen, Soli- und Duo-Nummern.

Zu einem Renaissance-Lied gibt es sexualisierten Posing-Tanz, ein Tänzer auf High Heels zeigt queeren Show-Akrobatik-Tanz, Tangopaare balzen, der Moderator fordert, seinen Rassismus nicht übel zu nehmen: "War doch nur Spaß" und wir hören die Geschichte vom Haus mit den kaputten Abflussrohren, von der Familie im Erdgeschoss, die erst spät der Fäkalienjauche entfliehen kann, was eine der Jurorinnen veranlasst, von der neuen hippen Fäkalientherapie zu berichten usw. usf.

Auch wenn einige Szenen geglückt, durchaus komisch oder wahrhaftig bis zur Brutalität sind, auch wenn viele der Schlaglichter, die Constanza Macras präzise auf ihre Themen richtet, die Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, richtig ins Licht rücken, so ist sie mit viel Wirbel und Lärm, mit großem Tumult gescheitert – dieses Stück ist über weite Strecken eine Zumutung. Eine gigantomanische Show mit viel Lärm um nichts.

Frank Schmid, kulturradio

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