Frank Peter Zimmerman, Geiger
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Konzerthaus Berlin - Konzerthausorchester Berlin, Iván Fischer, Frank Peter Zimmermann

Bewertung:

Mendelssohn und Wagner sorgsam durch die Pause getrennt - Ein Abend, an dem die herausragend gelungenen Teile leider gnadenlos die Mängel der nicht gelungenen offen legten. 

Mendelssohn und Wagner sorgsam durch die Pause getrennt, der von Wagner verfemte jüdische Komponist und insttumentale Highlights des Antisemiten - ein spannendes Programm bot das Konzerthausorchester mit Ivan Fischer.

Wie schwer doch der Ton des früh vollkommenen Mendelsshon zu treffen ist, bewies die auch formell hoch anspruchsvolle Streichersinfonie g-Moll. Anklänge an Barock, viel Mozart, ganz Eigenes wollen in Leichtigkeit und Durchsichtigkeit zum Leben erweckt werden. Lange Fugen dürfen nicht zu Pedanterie und kriegierischem Hauen und Stechen führen, auch wenn das Thema zerklüftet ist. Richtig gelungen war hier der gleichzeitig kontrapunktisch herrliche und mozartische Mittelsatz.

Viel war von Frank Peter Zimmermann im so oft gehörten Violinkonzert Mendelssohns zu erwarten. Lange dauerte es, bis Orchester und Geiger zueinander fanden, ja überhaupt das Stück jenseits der überspielten Konvention und Routine entdeckten.

Genau nämlich bis zum dritten Satz, der dann in der Tat sensationell abhob. Geradezu frappierend wurden aber die vorherigen Einschrünkungen in Zimmermanns sehr klug gewählter Zugabe (wie selten wird einmal ein passendes Stück gespielt!). Bartóks "Melodia" greift die Melodie aus dem langsamen Satz des Konzerts auf und verwandelt sie.

Wie beseelt plötzlich alles war, wie vielfarbig die Geige klang, wie genau erspürt die Verwandlungen. So hätte man sich Mendelssohn gewünscht. Und auch so sauber intoniert.

Auch in der Wagner-Abteilung gab es eine lange Durststrecke. Völlig verfehlt und Wagner letztlich auch Unrecht tuend die teutonische Stampf-Version der Meistersinger-Ouvertüre. Sollte das eine Parodie sein und beweisen wollen, wie tumb Deutschtümelei sein kann?

Funktioniert hat es jedenfalls nicht. Ivan Fischer gelang es auch im durchaus Mendelssohn’schen Naturwunder aus der Götterdämmerung nicht, wirkliche Entwicklungen und unterschwellige Strömungen plausibel und atmosphärisch magisch zu machen. Dass dies ihm und dem Orchester völlig möglich ist, bewies das Vorspiel zu Isoldes Liebestod aus Tristan und Isolde. Wirklich ergreifend und stimmig.

Ein Abend, an dem die herausragend gelungenen Teile leider gnadenlos die Mängel der nicht gelungenen offen legten.

Clemens Goldberg, kulturradio

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