Deutsche Oper Berlin: Don Quichotte; © Thomas Aurin
Thomas Aurin
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Deutsche Oper Berlin - "Don Quichotte"

Bewertung:

In der Welt des "Don Quichotte" werden Windmühlenflügel zu Riesen und die schöne Dulcina erwidert seine Liebe. Am Himmelfahrtstag feierte Jules Massenets Spätwerk in der Deutschen Oper Premiere. Kai Luehrs-Kaiser hat Jakop Ahlboms Inszenierung gesehen.

Ich war für diese Produktion eingenommen – nicht nur weil Berlin mit "Don Quichotte" eine Geschichte zu laufen hat: 1972 bedeutete das Werk die "Einstandslegende" für den jungen Götz Friedrich an der (damals noch) Komischen Oper Berlin. Nein, eher deswegen, weil dies das letzte große Meisterwerk von Jules Massenet war, zwei Jahre vor seinem Tod. Der künstlerische Niedergang von Massenets Karriere sowie seine stark angeschlagene Gesundheit färbten das Werk existenziell. Das macht es besser, aber auch schwerer zu realisieren.

Die Premiere an der Deutschen Oper wurde heftig beklatscht. Etliche freie Plätze nach der Pause zeigten jedoch, dass viele Leute inzwischen kapituliert hatten – vielleicht zu früh.

Inszenierung

Jakop Ahlbron ist ein holländischer Regisseur, Performer und „Zauberer“, der vor ein Paar Jahren mit einer Schrumpf-Version von „Hoffmanns Erzählungen“ in der Tischlerei für Aufsehen sorgte. Mir gefiel das damals nicht, doch der jetzige Auftrag ist der Lohn dafür. Ahlborn verlegt die Handlung aus dem spanischen Spätmittelalter in eine große Kantine, in welcher Dulcinée die umkämpfte Tresen-Schönheit ist. Kopflose Anzugträger und surreale Hände auf zwei Beinen sollen die Stärken der Phantasiewelt illustrieren, in der Don Quichotte sich verkapselt hat. Beim Kampf gegen die Windmühlen verschwindet er vorübergehend im Maul einer Riesenpuppe, aus dem anschließend Borkenkäfer krabbeln. Ein Panoptikum; aber ein bisschen einfältig und schlicht.

Deutsche Oper Berlin: Don Quichotte; © Thomas Aurin
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Stimmen und Orchester

Der Italiener Alex Esposito ist a priori nicht wirklich gut besetzt. Zu kernig, zu körnig, zu wenig nasal klingt sein Bassbariton. Was ähnlich auch für Seth Carico als Sancho Pansa gilt. Allerdings sind beide Sänger, besonders Esposito, in so vorzüglicher Verfassung, dass sie es unmittelbar "rausreißen".

Clémentine Margaine, obwohl echte Französin, orgelt zu sehr. Der Chor singt schlechter Französisch denn je – und ist leider überhaupt unter Jeremy Bines nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren.

Das Orchester der Deutschen Oper, an Französisches gut gewöhnt, kriegt die "feinste Himbeer-Soße", als welche Massenet von Brahms verspottet werde, gut flüssig. Allerdings rührt Emmanuel Villaume zu viel dicksämigen Sirup mit drunter. Dass ein ganzer Abend Himbeer-Soße ein bisschen viel ist, kennt man von allen Massenet-Opern. Ich liebe und verehre diesen Komponisten dennoch, gerade für das talmihaft Leichte und Vorgetäuschte.

Deutsche Oper Berlin: Don Quichotte; © Thomas Aurin
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Fazit

Die Aufführung, in summa, trifft die Gemengelage eigentlich nicht schlecht, hat nur leider bis zur Pause ihr Pulver einigermaßen verschossen. Die vielen Fat-Suits und im Boden versinkenden Tische dieses selbst ernannten Zaubertheaters sind ganz lustig. Die übliche Spaßtruppe mit Karnevalshütchen weniger. Besonders die Titelpartie ist sehr annehmbar besetzt, da Esposito ein großer Sänger ist. Nur dass 2+ oder 2- für dieses Werk zu wenig ist. Gut ist hier leider nicht gut genug.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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