"M-Eine Stadt sucht einen Mörder": Scott Hendricks, M, Statisterie der Komischen Oper Berlin
Monika Rittershaus
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Komische Oper Berlin - "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" - Oper von Moritz Eggert

Bewertung:

Fritz Langs berühmten Kriminalfilm "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" aus dem Jahre 1931 gibt es nun auf der Opernbühne zu erleben. Der Komponist Moritz Eggert hat die Geschichte aus dem Berlin der 1920er Jahre über einen Serienmörder, der von der ganzen Stadt gehetzt wird, für die Komische Oper vertont.

Riskant ist der Versuch schon, Fritz Langs Meisterwerk "M" in eine Oper zu übersetzen; zumal hier ein kleiner Trend vorliegt (vgl. "Frankenstein", "Lost Highway" und andere Kino-Opern). Also schrieb Regisseur Barrie Kosky das Libretto gleich selbst (gemeinsam mit Ulrich Lenz). Und muss rasch gemerkt haben, dass ja die Hauptfigur im Film von 1931 fast stumm ist – keine leichte Ausgangslage für eine Oper. Zudem scheint man bald Angst vor der eigenen Courage – und vor der Tatsache bekommen zu haben, dass es hier um einen Kindermörder geht. Weshalb man sich entschloss, die Frage offen zu lassen, ob die Taten vielleicht nur Phantasien eines Außenseiters sind. Das ist ein kapitaler Fehler. Denn so beraubt man sich der Möglichkeit, die Geschichte wirksam – und spannend – zu erzählen.

Stattdessen werden zahlreiche Kinderlieder und Moritaten von Walter Mehring importiert und von Moritz Eggert neu vertont. Um den Bilderbogen- und Songspiel-Charakter zu unterstreichen, spielt man entlang einer Ziehharmonika fahrender Stellwände. Es fehlt Suspense, jedes Psychogramm, aber auch das 20er-/30er-Jahre-Feeling sowie die Berlin-Atmosphäre, die sämtlich für den Film charakteristisch waren.

Koskys Regie gutschreiben muss man nur den (ingeniösen) Einfall, alle Rollen außer dem Mörder mit Kindern zu besetzen. Sie tragen grotesk-naturalistische Masken – so ähnlich wie man das von der Theatertruppe "Familie Flöz" kennt. Eindrucksvoll wird das im Tribunal, wo die versammelte Gangsterschaft den Täter zur Rechenschaft zieht (die berühmte Szene mit Gustaf Gründgens) – und ihn auslacht. Das schallende Kinderlachen hat hier eine tolle Doppelbedeutung, weil es zugleich die Opfer meint. Die beste Szene.

"M-Eine Stadt sucht einen Mörder": Scott Hendricks, M
Bild: Monika Rittershaus

Moritz Eggert wählt für den 100-Minüter ein elektronisch verstärktes Orchester mit E-Gitarre und Akkordeon – und einen riesigen Kinderchor, der seine Sache sehr gut macht. Tonal von vorne bis hinten, changiert das zwischen "Harry Potter" und "Clockwork Orange"; kann sich zwischen Kindermusical und Filmoper aber nicht entscheiden. Die Kinderlieder sind nicht eingängig genug. Auch dem Protagonisten Scott Hendricks kommt man – bei kühl deklamierendem Bariton – nicht recht näher. Er verbleibt zu sehr im Halbschatten.

Ainārs Rubiķis muss im Graben eher Lotsen-Dienste verrichten – was er gut macht. Im Ganzen ist das nicht mehr als: ein Achtungserfolg. Das Ganze hat mich, vielleicht auch wegen der schlechten Textverständlichkeit, nicht erreicht. Ich gestehe, dass Peter Lorre mit einem einzigen, stummen Wimpernaufschlag mehr Tragik und Emotionen evozierte als dieser sich hinziehende Abend. Vermutlich ist der Film einfach zu gut, um sich mit ihm anzulegen.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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