Quartetto di Cremona
Nikolaj Lund
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Konzerthaus Berlin - Quartetto di Cremona

Bewertung:

Das Quartetto di Cremona wurde 2000 in Cremona von vier jungen Streichern an der renommierten Accademia "Walther Stauffer" gegründet. Mittlerweile hat sich das Quartett zum führenden Kammermusik-Ensemble Italiens entwickelt.

Das Quartetto di Cremona verkörpert einen liebenswürdig nostalgischen Quartettstil: Hoch emotional, alle vier Spieler mit gleicher Energie, viel Vibrato, große Spannung. Dazu kommen noch die sehr klangvollen italienischen alten Instrumente, die fast den Kammersaal des Konzerthauses sprengten. Bestens war dieser Stil für den Quartettsatz von Anton Webern geeignet, der noch ganz nach Richard Strauss klang. Schwelgerisch und noch fest in der Tonalität verankert.

Idyll wohlhabender Kreise

Italienische Streichquartette sind sowieso eine Seltenheit und so hört man Ottorino Respighis Quartett aus dem Jahr 1920 nie. Auch diese Musik scheint aus der Zeit gefallen. Während in Italien Revolution, Armut und Hunger herrschen, ist die Musik ein Idyll wohlhabender Kreise. Naturlaute, dörfliche Tanzszenen … Aber sehr gut gemacht und ganz auf Klang und Atmosphäre ausgerichtet. Auch diese Musik war beim Quartett sehr gut aufgehoben und hatte hohen Unterhaltungswert.

Noch Luft nach oben

Nicht gerade mit philosophischem und kritischem Zugang begegnen die Musiker auch Beethovens op. 127. Sie haben alle Quartette eingespielt und doch klingt alles fast spontan. Vieles könnte mehr inneren Atem, mehr Räumlichkeit vertragen. Die großen Gegensätze geschehen einfach, aber sie werden nicht mit inneren Vorgängen und Herleitungen nachvollziehbar. Im langsamen Satz hätte etwas weniger Druck und freieres Spiel zu jenen Flügeln des Gesangs führen können, die den Kontrast zu den abgründigen und eigenartigen Episoden des Satzes bilden. Hier ist dann doch noch Luft nach oben zur absoluten Spitzenklasse.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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