Aenas Humm, Bariton
Tobias Humm
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MUSIKFESTSPIELE POTSDAM SANSSOUCI - AMORS MUSENKÜSSE

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Wie lästig, dass die Komponisten des Barock, zumal des deutschen, so lange Strophen vertonten. Da reicht es ja auch, sie zu lesen.

Man könnte sie allerdings auch ernst nehmen und den Geist des Barock respektieren, kennenlernen wollen. Dann müsste man aber auch subtil und neugierig interpretieren. Wie erstaunlich, dass Aeneas Humm sich nicht einmal für mehr als drei Arten des Küssens in Hammerschmidts berühmten Lied interessierte!

Ecksteine fehlten

Dass er allerdings gleich zwei Ecksteine der ersten Hälfte ganz strich, lässt dann doch tief blicken, auch was die Leitung des Festivals betrifft.

John Danyels "Like as the Lute" hätte auch Humms Partner André Henrich wunderbar thematisiert, und nebenbei die einzige Erwähnung der Musen gebracht - immerhin das Festivalthema. Auch das komplexe "Ardo e taccio" von Frescobaldi hätte man gern gehört.

Zu viel laute Schärfe

Aber dann auch wieder nicht in der Interpretation durch einen überschätzten jungen Sänger. Er hat Charme und viel Stimmmaterial, das er aber nur in endlosen falschen Betonungen und Schwellern und Drückern mit viel lauter Schärfe einsetzt. Innigkeit, Ironie, Humor, Schmerzen der Seele sind Humm nicht bekannt. Er hätte sie der Musik und den Texten abgewinnen können. 

Sein feiner Lautenpartner André Henrich ging in viel Laustärke und Schärfe naturgemäß unter. In seinen Soli war er erst etwas blass, sorgte aber dann doch für das einzige gut gestaltete und erlebte Stück Musik des Abends, eine Passacaglia (ungekürzt!) von Esaias Reusner.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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