François-Xavier Roth © Marco Borggreve
Marco Borggreve
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Philharmonie Berlin - François-Xavier Roth dirgiert das Gürzenich-Orchester und das Ensemble Les Siècles

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Offenbach und Schumann: Heiter und harmonisch

Im Rahmen der deutsch-französischen Kulturpolitik trafen sich ein französisches Originalklang-Orchester und das traditionelle deutsche Gürzenich Orchester. Unter der sehr präzisen, beschwingten  und detailgenauen Stabführung des Franzosen François-Xavier Roth hatte man sich ein durchweg heiteres und harmonisches Programm mit Schumann und Offenbach vorgenommen. Also alles ganz anders als in der großen Politik, von der man sich hier einmal eine Ruhepause gönnte, aber auch alle Kontroversen ausblendete.

Brillante Bläserabteilung

Das Orchester Les Siècles spielt auch auf modernen Instrumenten, so dass es von daher keine Probleme mit der Kooperation gab. In Schumanns Frühlingssinfonie war viel informierte Praxis zu hören, manchmal fehlte die Zuspitzung und Klangpflege im Forte. Aber die leichte, flirrende und duftende Atmosphäre war gut getroffen. Besonders auffällig die brillante Bläserabteilung, nachher auch der herausragende Klarinettist Blaz Sparovec.

Eine erst kürzlich ausgegrabene Ouvertüre von Offenbach zeigte, dass man doch nicht ganz reibungslos einfach zusammenkommen kann, aber auch den hohen Unterhaltungswert der Musik, die nicht unbedingt auf logische Nachvollziehbarkeit setzt

Stimmlich umwerfend

Die anderen Highlights konnte man dann aufgrund ihrer Bekanntheit wieder ganz lässig und mit erkennbarem Vergnügen darbieten. Pablo Ferrández ist ein Teufelscellist, der allerdings sehr selbstverliebt und mit viel übertriebenem Schnulz die "Einleitung, Gebet und Bolero" als vielleicht von einer Stierkampfszene abgeleitete Geschichte darbot. Schauspielerisch sehr überzeugend und stimmlich umwerfend brachte dann Jenny Daviet das Couplet des Baisers aus "Orpheus in der Unterwelt" und die unzerstörbare Arie "Les oiseaux dans la charmille" über die Rampe. Den Schlusspunkt bildete die Ouvertüre zu "Orpheus in der Unterwelt", eine Hölle mit Cancan, die sich dann doch der realen Politik etwas annäherte

Clemens Goldberg, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Robin Ticciati; Foto: Alexander Gnaedinger
Alexander Gnaedinger

Deutsche Symphonie-Orchester Berlin - Robin Ticciati

Es ist schon spannend, vermutliche eine Weltpremiere, wenn ein Orchester zu Anfang ohne Dirigenten improvisiert. Aufeinander hören muss man, oder sollte man ja sowieso. Natürlich ist es auch spannend, wer denn da so die Initiative für einzelne Melodien übernimmt und wie die Anderen das aufgreifen. Das Resultat war zwar erwartbar und man muss das nicht so oft hören, aber das Orchester könnte das ja als Teambuilding bei sich einführen!

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