Salome Kammer
Christoph Hellhake
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MUSIKFESTSPIELE POTSDAM SANSSOUCI - ERÖFFNUNGSKONZERT: "WHY ARE ALL THE MUSES MUTE?"

Bewertung:

Es ist eine schöne Idee, die Eröffnung des Festivals Potsdam Sanssouci auf den Platz vor der Nicolaikirche mit Anbindung an das Museum Barberini zu verlegen.

Leider hat die Idee einen gravierenden Nachteil. Die Akustik in der Kirche ist sehr unbefriedigend, die Stimmen des Ensembles of the Enligthenment waren noch gut zu hören, nicht aber das Orchester hinter ihnen. Auch untereinander hörte man sich offenbar nicht so gut, man versuchte es mit Überartikulation in den Griff zu bekommen.

Leider ist das Festival unter der neuen Leitung von Dorothee Oberlinger auch nicht davon abgekommen, die endlosen Eröffnungsreden abzuschaffen. 20 Minuten Allgemeinplätze sind einfach überflüssig. 

Das Zusammenwirken der Musen

Dieses Mal steht das Festival unter dem Motto der Musen, vor allem ihrem Zusammenwirken in Potsdam.

"Warum sind die Musen stumm?" fragt Henry Purcell in einer Willkommensode für König James II. Ein übles Stück politischer Propaganda für einen schlimmen Herrscher, dessen Rückkehr wohl kaum jemand in England freudig erwartete. Dazu strotzt der Text - die Brexiteers lassen grüßen!- vor zeitgemäß üblichem Chauvinismus. Die Aufstände zu Hause werden "erstickt", die Welt "beherrscht". Die Musik reißt es auch nicht wirklich raus. Nur weil ein Stück die Musen erwähnt, ist es jedenfalls einfach so dargeboten noch lange nicht zur Eröffnung eines Festivals geeignet!

Dann noch einmal eine 20minütige Rede (die Muse Polyhymnia sollte ihn inspirieren) von Jens Bisky. Immerhin sehr unterhaltsam war’s, die Musen als starke Frauen kennenzulernen. Nur wurde dann als Fazit angeboten, die Musik einfach zu genießen und mal die Sorgen um die Welt zu vergessen. Da musste man doch gleich an den Fehltritt in der ersten Hälfte denken und diese der Rede ganz entgegengesetzte Oberflächlichkeit bedauern.

Immerhin ist das Geburtstagsständchen "Come ye Sons of Art" einer besseren Herrscherin gewidmet, Queen Mary. Da hakte es dann aber wieder hie und da an der durch die Akustik erschwerte Koordination.

Ein Highlight gab es aber, Salome Kammers Darbietung von Berios Sequenza III. Das war eine starke Frau, eine echte Muse!

Clemens Goldberg, rbbKultur

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